Wie behandelt man Covid19? Aktuelles von Experten

Was passiert eigentlich, wenn ich mich mit Corona infiziert habe? Wie werde ich behandelt, wenn ich ins Krankenhaus muss? Und was müssen Patienten nach Stammzelltransplantation im Fall einer Infektion beachten? Diese Fragen habe ich mir schon lange gestellt – und Du vielleicht auch. In diesem Artikel findest Du aktuelle Antworten hierzu.

Zu diesem Thema fand am Samstag, den 6. Februar ein Web-Seminar der Universitätsklinik Mainz für hämatologische Patienten und Angehörige statt. Hier fasse ich die Ergebnisse zum Thema – „Covid 19 Behandlung“ zusammen. Weil ich zurzeit sehr an der Impfung und den möglichen Impfstoffen interessiert bin, findet Ihr im Abschluss auch noch die Ergebnisse des abschließenden Vortrags des Seminars „Impfung – Impfstoffe“.  Ich danke der Universitätsklinik Mainz, dass ich diese Zusammenfassung veröffentlichen darf und ihre Abbildungen hier verwenden kann.

Covid 19  Programm Seminar Uniklinik Mainz
Programm des WEb-Seminars zum Thema Covid 19

Als ich im Internet auf das Programm der Universitäts-Klinik Mainz stieß, war ich sofort interessiert. Diese Themen beschäftigen mich, wie Du weißt, ja schon lange, und es ist nicht einfach, selbst stets allen aktuellen Berichten im Internet zu folgen. Da hier der besondere Fokus auf den hämatologischen Patienten und Patienten nach Stammzelltransplantationen lag, bin ich natürlich besonders angesprochen gewesen.

Du findest hier die zwei wichtigsten Vorträge in ausführlicher Form. Wenn Du Dich nur kurz damit beschäftigen möchtest und Dich nur die Schlussfolgerungen interessieren, kannst Du direkt zu den Kurz-Zusammenfassungen des jeweiligen Vortrages springen.

Einleitung

Als hämatologischer Patient (das bedeutet, als Patient mit einer Erkrankung des Blutes wie einer Leukämie oder aber auch als Patient nach einer Behandlung dieser Erkrankung) besteht ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Corona-Infektion.

Wie ist das mit der Ansteckung – hast Du als Patient mit einem geschwächten Immunsystem auch wie ich geglaubt, dass Du besonders gefährdet bist, Dich mit Corona zu infizieren?

Dann kann ich Dich ein wenig beruhigen, denn aktuelle Daten zeigen dass, das Risiko für eine Infektion selbst nicht höher ist als bei normalen Menschen.  Sehr interessant und ein wenig optimierend, oder?

Wegen des zu erwartenden schweren Verlaufes sind die Faktoren wie Therapie-Möglichkeiten und Impfung gegen Corona von großer Wichtigkeit für uns Patienten.

Therapie-Möglichkeit bei Corona Infektion

Gibt es Medikamente zur Behandlung von Covid-19? Ja, die gibt es. Sie sind aber nur bedingt wirksam, und insbesondere hat es sich gezeigt, dass sie die Sterblickeitsrate nicht senken können.

Hier die Details:

Allgemeine Maßnahmen

Bei einem positiven Test entscheiden die zuständigen Ärzte in der Klinik je nach Deiner Vorerkrankung, ob Du als Patient im Krankenhaus bleiben sollst. Eine Immunsuppression (zum Beispiel wegen einer Chemotherapie oder wie bei mir nach einer Stammzelltransplantation) wird ein zwingender Grund sein, Dich stationär aufzunehmen.

Behandlung Covid 19 Patienten
Allgemeine Maßnahmen zur Behandlung von Covid 19 Patienten

Nach dieser Aufnahme können die Ärzte direkt erste allgemeine Maßnahmen einleiten, d.h. ohne Medikamente zu verabreichen.

Behandlung Covid 19 Patienten
Erste allgemeine Maßnahmen nach stationärer Aufnahme

Diese allgemeinen Maßnahmen im Rahmen des Krankenhaus Aufenthaltes haben alle den Zweck, die Sauerstoff-Versorgung des Patienten zu gewährleisten. Sie können je nach Bedarf stufenweise erhöht und intensiviert werden. Sauerstoff kann einfach über einen Schlauch oder mit Druck (High Flow O2 Gabe) gegeben werden, oder aber als invasive Beatmung.

Die letzte aufgeführte Maßnahme „ ECMO“ bedeutet „extrakorporale Membranoxygenierung oder Lungenunterstützung“. Das ist ein Verfahren, das erst dann zum Einsatz kommt, wenn die Lungenfunktion so schwer geschädigt ist, dass der die Atemfunktion in der Lunge nicht mehr sicher gestellt ist. MIt dem ECMO System findet der Gasaustasch es Blutes außerhalb des Körpers des Patienten statt. Es ist also ein wirklich aufwändiges Verfahren, was bisher von sehr wenigen Patienten gebraucht wird.

Virustatika

In der Gruppe der Virustatika (= Medikamente, die die Vermehrung und Verbreitung eines Virus im Körper hemmen) ist sind  Remdesivir und Hydroxychloroquin in den letzten Wochen durch vermehrte Meldungen in der Presse bekannt geworden.

Covid 19 Virusstatika
Virusstatika gegen Covid 19

Für die Therapie mit Remdesivir gilt, dass es möglichst früh eingesetzt werden sollte, spätestens 7- 10 Tage nach Symptombeginn. Je früher ein an Covid 19 erkrankter Patient Remdesivir erhält, desto größer ist die hemmende Wirkung auf die Virus-Vermehrung.  Konkret heißt das für Patienten, die immungeschwächt sind:  Remdesivir wird eingesetzt, sobald diese Sauerstoff benötigen.

Hydroxychloroquin ist ein Medikament, das Entzündungen hemmt. Es ist bekannt als Anti-Malaria Mittel und wird auch bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Zweifelhafte Berühmtheit erlangte Hydroxychloroquin durch die Empfehlung von Donald Trump, es zur Prophylaxe einzusetzen. Schon damals war unklar, ob das Medikament überhaupt Wirkung zeigt.

Nicht nur diese Empfehlung ist außer Kraft gesetzt. Mittlerweile haben weiterführende Studien gezeigt, dass die Wirkung gegen SARS CoV2 nur im Reagenzglas nachzuweisen ist. Somit fällt Hydroxychloroquin als Medikament für die Therapie von Covid 19 aus, was schon länger vermutet wurde.

Antientzündliche Medikamente

Warum werden überhaupt Anti-entzündliche Medikamente bei Covid 19 eingesetzt?
Durch eine eventuelle Flüssigkeitseinlagerung im Lungengewebe, verursacht duch das Coronavirus, entsteht eine Entzündung im Gewebe. So hat sich beispielsweise der Einsatz von Kortison positiv auf die Sterblichkeitsrate ausgewirkt.

Covid 19 Antientzündliche Medikamente
Antientzündliche Medikamente gegen Covid 19

Tocilizumab, der Wirkstoff mit dem schwierig zu behaltenden Namen, und einem noch schwieriger zu verstehenden Wirkmechanismus, ist bekannt für den Einsatz bei Patienten mit einer begleitenden schweren Lungenentzündung . Das Medikament kann die Rate an Beatmung senken, jedoch nicht die Sterblichkeit

Vielversprechender scheinen den Medizinern die JAK-Inhibitoren zu sein.

Eines der Gruppe dieser Medikamente kenne ich gut, es ist JAKAVI®, welches ich seit fünf Jahren zur Behandlung meiner chronischen GvHD (Abstoßungsreaktion) erhalte. Ich bin sehr begeistert von Jakavi, aber davon werde ich an einer anderen Stelle berichten.

Wirksam hat sich in den USA eine Kombination eines ähnlichen Wirkstoffes, Barcitinib (also nicht Jakavi, sondern ein anderes) mit Remdesivir gezeigt. Leider ist diese Kombination in Deutschland noch nicht zugelassen und somit für Patienten im Klinikalltag nicht verfügbar. Schade.

Antikörper

Kommen wir zu der letzten Gruppe der Therapie-Möglichkeiten, den Antikörpern. Was ist ein Antikörper:

Behandlung Covid 19 Antikörper
Antikörper gegen Covid 19

Monoklonale Antikörper werden Patienten mit einer Immunschwäche oder Immunsuppression angeboten.

Kurze Erklärung hierzu: Was bedeutet „monoklonale Antikörper“? Bei einer typischen Immunreaktion werden Antikörper von unterschiedlichen Immunzellen gebildet. Seit 1975 gibt es die Möglichkeit, unsterbliche Zellklone herzustellen, die jeweils einen einzigen Antikörper produzieren. Diese monoklonalen Antikörper sind demgemäß hochspezifisch auf ein einziges Antigen.

Diese monoklonalen Antikörper dienen der Abschwächung des Coronavirus. Auch hier ist es wichtig, dass diese Patienten die Therapie früh erhalten.

Eine Kombination dieser monoklonalen Antikörper war übrigens die Behandlung der Wahl für den Ex-US Präsidenten Donald Trump. Diese Kombination ist seit kurzem in Deutschland auch zugelassen worden.

Rekonvaleszentes Plasma wird aus Covid-19 Patienten gewonnen und ist wirksam durch die dort enthaltenen Antikörper. Hierbei ist natürlich wichtig, dass eine Blutgruppen-Übereinstimmung besteht. Das rekonvaleszente Plasma wird dann als Infusion verabreicht.

Auch rekonvaleszentes Plasma dient einer Neutralisierung und damit Abschwächung des Coronavirus.

Fazit und kurze Zusammenfassung – Wie behandelt man Covid-19?

Du bist immungeschwächt?

Du hast eine Vorerkrankung, die einen schweren Verlauf von Covid 19 wahrscheinlich erscheinen läßt?

Dann gilt folgendes im Falle eines positiven Coronatests für Dich:

  • Je früher Du in die Klinik gehst, desto besser
  • Hier gibt man Dir Medikamente, die Dein Hausarzt Dir nicht verschreiben kann
  • Stationär aufgenommen kannst Du stufenweise mit Sauerstoff versorgt werden, angepasst an Deine Situation

Es gibt leider kein einziges wirklich gut wirkendes Medikament gegen Covid 19. Die Therapien können aber einen schweren Verlauf mildern.

Aus diesem Grunde ist es unbedingt erforderlich, sich früh in eine Klinik zu begeben, um den Ärzten noch alle Möglichkeiten der Therapie zu geben.

Die Corona Impfung – ein aktueller Überblick

Der letzte Vortrag des Symposiums beschäftigte sich mit meinem Lieblingsthema, die Impfstoffe. Da ich bereits zwei ausführliche Blogartikel zu diesem Thema verfasst habe – link – möchte ich hier nur noch eine kurze Zusammenfassung vorstellen.

Einleitend stellte Dr. Teschner noch einmal eine wichtige Erkenntnis heraus:

Keine Maßnahme, keine Therapie ist so effektiv in der Virus-Bekämpfung wie die Impfung!

Dies gilt sowohl für Corona, als auch für alle anderen respiratorischen Viren!

Welche Impfstoffe gibt es?

Da es nach dem Biontech Impfstoff, der als erstes zugelassen worden ist, weitere Impfstoffe gibt, hier ein Vergleich über die verschiedenen Möglichkeiten:

  1. Vektor Impfstoff
  2. Virus-Bausteine
  3. mRNA Impfstoff

Bei allen handelt es sich um Totimpfstoffe! Viele meiner Leser haben mich wiederholt danach gefragt, und diese berechtigte Frage ist sehr wichtig. Es gilt: Bei der Corona-Impfstoff Entwicklung wird gar nicht nach Lebendimpfstoffen geforscht.

Corona Impfstoffe
Übersicht über die drei verschiedenen Impfstoff-Klassen

Wie wirken die  verschiedenen Impfstoffe? Zum mRNA Impfstoff der Mainzer Firma Biontech wurde schon viel gesagt und geschrieben. Den Wirkmechanismus findest Du in meinem Blogartikel hier.

Der Vektorimpfstoff-Ansatz liegt dem Impfstoff von Astrazeneca zugrunde. Hier findest Du das Schaubild, wie der Wirkmechanismus hier funktioniert:

Vektor Impfstoff Corona
Wirkmechanismus der Vektor-Impfstoffe

Grundlage des Impfstoffes ist ein Vektor – ein Vehikel, sozusagen die Transportmöglichkeit für die genetische Information des Coronavirus, die die Immunantwort im Menschen hervorrufen soll. Der hier verwendete Vektor, ist ein Erkältungsvirus („Adenovirus“) der aber auch nur Schimpansen als krankheitserregend gilt, also für Menschen ungefährlich ist. Durch das Einschleusen des genetischen Materials für das Spike Protein produziert die menschliche Zelle diesen Stoff, der sich auf der Oberfläche des Coronavirus befindet. So sorgt sie dafür, dass unser Immunsystem gegen dieses Protein aktiviert wird. Wenn wir uns mit Corona anschließend infizieren, sind unsere Immunzellen direkt alarmiert und können das Virus unschädlich machen.

Dr. Teschner betonte noch einmal: Die vielzitierte Wirksamkeit des Astrazenca Impfstoffes von über 70 % ist gut! Es gibt keinen Grund, sich nicht mit diesem Impfstoff impfen zu lassen. Wer sich noch intensiver über die Ergebnisse des Astrazenca Impfstoffes informieren möchte, findet hier alle Daten ausführlich.

Bei immunsupprimierten Patienten kann die Wirkung geringer sein, weil wir ja ein unterdrücktes Immunsystem haben und die erwünschte Immunantwort eventuell nicht so stark ausfällt, wie bei gesunden Menschen. Daher spricht die Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) eine eindeutige Empfehlung aus, Patienten mit malignen hämatologischen Erkrankungen so wie immunsupprimierte Patienten zu impfen.

Wie ist die Situation bezüglich der Verfügbarkeit der Impfstoffe?

Der Referent sprach die Impfstoff-Knappheit an, die uns zurzeit alle bewegt und Sorgen macht. Dazu kommt die Priorisierung der Impfung, die auch zu vielen Diskussionen und vor allen Dingen Wartezeiten für uns Risikopatienten führt. Einen aktuellen Artikel mit Informationen, wo man sich telefonisch meldet, um seine Gruppe und Neuigkeiten zur Impftermin-Vergabe zu erhalten, findest Du hier bei Nella von Zellenkarussel.

Aber: Durch die fortschreitende Forschung, die fortlaufende Entwicklung bei vielen Firmen (es gibt zur Entwicklung eine große Zahl von  …. Forschungsprojekten zurzeit) ist zu erwarten, dass im Herbst 2021, also im 3. Quartal diesen Jahres, genug Impfstoff für alle verfügbar sein wird.

Schau selbst, dies ist die Abbildung, die diese Prognose mit Zahlen belegt.

Impfstoffmengen
Liefermengen Impfstoffe 2021

Ein Lichtblick, finde ich, denn das zeigt, dass unser Coronaproblem doch irgendwann endlich sein wird. Wer möchte da nicht drauf hoffen!

Fazit und kurze Zusammenfassung: Corona Impfung

Die Impfung ist das Mittel der Wahl in der Corona-Bekämpfung.

Es besteht berechtigte Hoffnung, dass uns im 2. und 3. Quartal des Jahres ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehen.

Der Astrazeneca Impfstoff ist nicht zu verschmähen – er ist zu Unrecht in Ungnade gefallen.

Jeder, der bereit ist, sich impfen zu lassen, kann das auch mit Astrazeneca tun. Es macht keinen Sinn, auf einen anderen Impfstoff zu warten. Die Tatsache, dass zur Zeit viele Menschen aus diesem Grunde ihren Impftermin nicht wahrnehmen, kann ich nicht nachvollziehen.

Ich hoffe, der Artikel hat Dir ein paar neue Erkenntnisse gebracht –schön, dass Du bis zum Ende gelesen hast. Wenn Du noch Fragen hast, schreibe sie mir einfach in die Kommentare.

Ich danke der Uniklinik Mainz und den Referenten für dieses sehr informative Web-Seminar. Wer sich die ganze Veranstaltung ansehen möchte, kann dies noch eine Weile hier tun.

„COVID 19 – was nun bei Stammzell-Transplantation und CAR-T-Zell-Therapie?“

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3 Kommentare zu „Wie behandelt man Covid19? Aktuelles von Experten“

    1. Liebe Nella, Vielen Dank für die Verlinkung. Dein Artikel zur Priorisierung packt ein richtig heißes Thema an und Deine Informationen sind für alle, die zu Risikogruppe gehören, sehr wertvoll. Danke Dir und ich wünsche uns allen von Herzen, dass wir bald geimpft werden!

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