Einleitung
Inhaltsverzeichnis
Du hast erfahren, dass du eine Leukämie oder eine Leukämie-ähnliche Erkrankung des Blutes oder des blutbildenden Systems hast und deine Ärzte haben dir zu einer Stammzelltransplantation geraten. Nachdem sie dich über die nächsten Schritte aufgeklärt haben, ahnst du grob, dass du mit einem langen Krankenhausaufenthalt rechnen musst. Und du weißt vielleicht schon, was die verschiedenen Schritte dort sein werden, bis du die Stammzellen deines Spenders erhalten wirst.
Aber wahrscheinlich hast du noch sehr viele Fragen, auf die bisher niemand so richtig eingegangen ist:
Wie wird mein Leben im Krankenhaus eigentlich aussehen?
Oder du fragst dich: Wie ist das Leben auf einer Isolierstation?
Diese und ähnliche Fragen haben mich damals vor dem Krankenhausaufenthalt meiner Knochenmarktransplantation auch beschäftigt, und ich versuche sie Dir hier in diesem Artikel ausführlich zu beantworten.
Wie lange muss man für eine Stammzelltransplantation im Krankenhaus bleiben?
Auf diese Frage gibt es leider keine ganz genaue Antwort, denn wie lange du im Krankenhaus bleiben musst, hängt von deinem persönlichen Verlauf ab. Bei einer allogenen Stammzelltransplantation solltest du dich aber darauf einstellen, mehrere Wochen in der Klinik zu verbringen. Mir wurde damals gesagt, dass es voraussichtlich sechs Wochen sein werden, die ich im Krankenhaus bleiben müsste. Ich weiß noch genau, dass mich diese Aussicht vor meiner Knochenmarktransplantation sehr abgeschreckt hatte. Ich war vorher schon einige Male im Krankenhaus gewesen (z.B. für meine Brustkrebst Operation), aber dies Aufenthalte waren nicht länger als 2 Wochen gewesen.
Sechs Wochen Krankenhaus – wie sollte ich das bloß aushalten?
Tatsächlich wurde ich nach 34 Tagen, also nach knapp fünf Wochen wieder entlassen. Die Stammzellen meines Bruders sind in Rekordzeit von 10 Tagen angewachsen, und glücklicherweise hatte ich keine Komplikationen wie Infekte oer ähnliches während der Krankenhauszeit.
So kann es auch bei dir sein, dass du vier, fünf oder sechs Wochen in der Klinik bleiben musst. Versuche, diese Wochen nicht als einen riesigen Berg, einen übergroßen Zeitraum vor dir zu sehen. Dein Aufenthalt besteht aus verschiedenen Phasen, und jede davon bringt andere Herausforderungen, aber auch andere Aspekte für dich mit sich. Besonders am Anfang passiert sehr viel mit dir, es gibt viele Untersuchungen, du bekommst die wichtigen Medikamente und du bist noch nicht isoliert. Später wird es eine große Rolle spielen, dass du von der Chemotherapie geschwächt sein wirst, und am Ende kommt die Zeit des Wartens. Warten auf das Anwachsen der neuen Zellen. So rückt der Tag der Entlassung Stück für Stück immer näher.
Bevor wir uns diese einzelnen Phasen anschauen, möchte ich dir aber erst einmal zeigen, wo du diese Wochen verbringen wirst und warum die Transplantationsstation anders aussieht als eine normale Krankenhausstation.
Warum muss ich für die Stammzelltransplantation auf eine Isolierstation?

Vielleicht fragst du dich, warum du für deine Stammzelltransplantation überhaupt auf eine spezielle Isolierstation kommst. Der Grund dafür liegt vor allem in der Phase der Chemotherapie, die Behandlung, die dein Immunsystem herunterfährt und in der du Krankheitserregern nur sehr wenig entgegensetzen kann. Bis die neuen Stammzellen, die du bei der Transplantation erhältst, wieder neu angewachsen sind, und neue Immunzellen bilden können, dauert es einige Tage. Deshalb fehlt dir in dieser Zeit ein wichtiger Teil deiner Immunabwehr.
Bakterien, Pilze oder Viren, mit denen ein gesundes Immunsystem normalerweise recht gut fertigwird, können deshalb plötzlich gefährlich für dich werden. Und diese Krankheitserreger befinden sich überall: auf unseren Händen, auf Lebensmitteln und Gegenständen, in der Luft – und manche von ihnen leben sogar ganz selbstverständlich in unserem Körper, in unserem Darm oder auf unserer Haut.
Deshalb ist die Transplantationsstation ein besonderer Schutzraum für dich mit dem nicht funktionierenden Immunsystem. Isolierstation – das klingt gefährlich und beängstigend. Aber sieh es eher als „Schutz-Station“ für dich an. Denn auf dieser Station gibt es ganz besondere Schutzmaßnahmen, besondere technische Einrichtungen zur Filtration deiner Umgebungsluft, und auch Schutzkleidung für Pfleger und Besucher, die dich schützen werden.
Die Isolierstation soll dich also nicht von der Welt „wegsperren“. Sie soll dir für eine begrenzte Zeit eine möglichst geschützte Umgebung bieten, bis dein neues blutbildendes System seine Arbeit aufgenommen hat und sich deine Abwehr allmählich wieder erholt.
Und trotzdem bleibt natürlich eine ganz praktische Frage: Wie lebt es sich eigentlich mehrere Wochen auf so einer Station?
Ich habe viele Patienten befragt, wie es ihnen während ihres Krankenhausaufenthaltes ergangen ist, und einige wertvolle Rückmeldungen erhalten. In den nächsten Kapiteln findest du sowohl einen Überblick über die verschiedenen Phasen, als auch einzelne Erfahrungen dieser Patienten. Sie können dir deutlich machen, wie der Alltag auf der Isolierstation sein kann.
Welche Phasen durchläufst du während deines Krankenhausaufenthalts?
Wenn du mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen wirst, hilft es vielleicht, dir diese Zeit nicht als einen einzigen langen Krankenhausaufenthalt vorzustellen. Denn während deiner Stammzelltransplantation durchläufst du verschiedene Phasen: Die Konditionierung, die aplastische Phase, der Tag der Stammzelltransplantation, und den Tag, an dem die neuen Zellen anwachsen.
Wie die einzelnen Schritte einer Stammzelltransplantation medizinisch genau ablaufen, habe ich in meinem Artikel „Der Ablauf einer Stammzelltransplantation“ ausführlich erklärt. Und wenn du genauer wissen möchtest, wann die neuen Stammzellen normalerweise anfangen zu arbeiten, findest du dazu meinen Artikel „Wie schnell wachsen Stammzellen an?“
Jede dieser Phasen fühlt sich ein bisschen anders an.
Die ersten Tage: Vorbereitung und Konditionierung

In diesen ersten Tagen wirst du mit einer (meistens) hoch dosierten Chemotherapie und, je nach Behandlungsprotokoll, eventuell zusätzlich mit einer Bestrahlung auf die Transplantation vorbereitet. Für dich als Patient bedeutet das vor allem: Die Behandlung beginnt, du gewöhnst dich an die Station und an ihre Abläufe – und möglicherweise machen sich bereits erste Nebenwirkungen bemerkbar.
Ich hatte an meinem ersten Tag ein sehr nettes Einführungsgespräch mit einem Pfleger. Er erklärte mir die Besonderheiten des Zimmers, ein Einzelzimmer, mit zwei Betten und einem großen eigenen Badezimmer für mich. Gleichzeitig meinte er: „Dieses Zimmer, Frau Mertens, hat die Nummer 009, und das ist ein sehr gutes Omen für Sie! Die Patientin, die zuvor in diesem Zimmer gewohnt hat, wurde nach nur 5 Wochen ohne jegliche Komplikationen entlassen.“
Mir hat das Mut gemacht, auch wenn ich nicht abergläubisch bin. Die ersten Tage sind von vielen Untersuchungen, Blutbild-Kontrollen, und Infusionen geprägt.
Eine Patientin erinnerte sich genauso wie ich, dass sie ein sehr schönes Zimmer hatte und dass „ganz viele liebe Menschen“ um sie herum sie freundlich und fürsorglich begleitet hatten. Sie empfand die Zeit auf der Station als sehr hart aber erstaunlich was ihr Körper aushalten konnte.
Eine andere Patientin erinnerte sich, wie erschöpft sie gerade in diesen Tagen vor der eigentlichen Transplantation war. Selbst der kurze Weg zur Toilette fühlte sich für sie an wie eine Besteigung der Zugspitze.
Die aplastische Phase:
Nach der Konditionierung beginnt der schwierigere Teil: die aplastische Phase. Deine eigenen blutbildenden Zellen sind durch die Konditionierung stark reduziert, während die neuen Stammzellen ihre Arbeit noch nicht aufgenommen haben. Deine Blutwerte fallen ab und besonders die fehlenden weißen Blutkörperchen machen dich sehr anfällig für Infektionen. In dieser Zeit werden deine Blutwerte engmaschig kontrolliert und du wirst medizinisch intensiv betreut. Ist die Zeit, in der dein Immunsystem nicht mehr arbeitet und sie erstreckt sich damit über den Tag der Transplantation hinweg, so lange, bis die neuen Stammzellen anwachsen.
Alle Pfleger, Ärzte und Besucher haben Schutzkleidung an, so wie wir es aus der Corona-Zeit alle kennen. Die Isolation ist in dieser Phase recht streng, und als Patient oder Patientin ist man oft alleine.
Eine Patientin berichtete mir, dass ihr in dieser Isolierphase die Gespräche mit dem Pfarrer, Besuche ihrer Tochter und von Freunden und Phantasiereisen mit einer Ergotherapeutin gut getan. Sie hat in diesen Tagen sehr, sehr viel geschlafen.
Du siehst daran, dass die Kliniken unterschiedliche Angebote haben für die Patienten, um diese Phase gut zu überbrücken. Es gibt fast überall auch Physiotherapeuten, die den Patienten helfen, leichte Übungen zu machen. Manche Patienten haben mir aber auch erzählt, dass sie an diesen Übungen, wegen der großen Erschöpfung, wenig Freude hatten.
Tag 0: Der Tag der Stammzelltransplantation
Dann kommt der große Tag, auf den alles hinausläuft: Tag 0, der Tag deiner Stammzelltransplantation. Die Stammzellen deines Spenders werden dir über eine Infusion übertragen. Ich weiß noch, wie besonders sich dieser Tag für mich angefühlt hat – obwohl die eigentliche Übertragung der Stammzellen erstaunlich unscheinbar und unaufgeregt ablief.
So wird dieser Tag häufig empfunden:
Ein Patient beschrieb es so: „Ein großer Tag, ein kleiner Beutel“. Er hatte lange auf seine neuen Stammzellen gewartet. Die eigentliche Transplantation verlief dann erstaunlich unspektakulär: Die Stammzellen kamen nachts in einem Blutbeutel und waren innerhalb von etwa 30 Minuten übertragen.
Das Anwachsen der Zellen – Jetzt beginnt das Warten

Nach der Transplantation beginnt das Warten auf einen ganz bestimmten Moment: Wann wachsen die neuen Stammzellen endlich an? Nach und nach beginnen sie im Knochenmark neue Blutzellen zu produzieren. Wenn sich deine Blutwerte entsprechend erholen und dein Zustand stabil ist, rückt irgendwann auch die Entlassung näher.
In der Regel dauert das Anwachsen der neuen Zellen 7 bis 14 Tage – in Ausnahmefällen bis zu 3 Wochen. In einem separaten Artikel habe ich diese Phase des Anwachsens der Zellen genau beschrieben und erklärt.
Eine Patientin schrieb mir, dass ihre Stammzellen nach zehn Tagen angewachsen waren, und sie es durch Schmerzen bemerkte, die für sie aber trotzdem willkommen waren. Denn sie wusste in diesem Moment: Jetzt geht es bergauf. So ist es in vielen Fällen, denn nach dem Anwachsen der Zellen bekommt der Körper neue Energie und gelangt Stück für Stück wieder in die Balance.
Nicht bei allen Patienten verläuft diese gesamte Klinikzeit wie geplant. Bei seltenen Fällen mit Komplikationen kann die Aufenthaltsdauer auf der Isolierstation verlängert werden. Dies wurde mir von einer Patientin berichtet, die sich an viele dieser langen Tage kaum noch erinnern kann. Ein langer Krankenhausaufenthalt von mehr als 5 bis 8 Wochen kommt zum Glück nur in seltenen Fällen vor.
Wie sieht ein typischer Tag auf der Transplantationsstation aus?
Nach der Vorstellung der Phasen während einer Stammzelltransplantation fragst du dich vielleicht, wie der Alltag nun auf der Transplantationsstation konkret aussieht.
Da sind natürlich die vielen Untersuchungen, Infusionen, Pflege des Katheters und die Blutabnahmen. Aber als Patient muss man sich auch um sich selbst kümmern, sich waschen, essen und irgendwie die vielen Stunden verbringen, die zwischen den Behandlungen liegen.
Im folgenden findest du wichtige Aspekte für den Klinikalltag, den man sich wahrscheinlich nicht vorstellen kann, wenn man vor dieser Behandlung steht. Du findest hier meine, und auch die Erfahrungen meiner Leser.
Essen und Hygiene
Ehrlich gesagt, hat man wenig Appetit während des Krankenhaus Aufenthaltes. Gerade während der aplastischen Phase verändert sich der Geschmack. Das ist eine Folge der Chemotherapie. Die Medikamente gegen die Übelkeit wie Metoclopramid helfen, dir beschwerdefrei zu essen, denn dein Körper braucht jetzt dringend Nährstoffe. Denn, auch, wenn man nicht viel Appetit hat, sollte man unbedingt regelmäßig essen in dieser Zeit.
Mein Mann zum Beispiel brachte mir regelmäßig Dinge zu essen mit, die ich gerne mochte – auch in der Zeit der größten Appetitlosigkeit. Das waren Gummibärchen, und bestimmtes Obst wie Bananen. Als Kind liebte ich beispielsweise auch gekochte Erbsen aus der Dose. Wenn er mir diese kleinen Mahlzeiten mitbrachte, war das mein Highlight im Klinikalltag.
Auch eine Patientin aus meiner Gruppe erzählte mir, dass ihr das Essen aus der Krankenhausküche nicht schmeckte, weil es durch wiederholtes Erhitzen wenig appetitlich war. Bei ihr war die Appetitlosigkeit so schlimm, dass sie eine Woche lang flüssige Nahrung bekam.
Auch dies ist eine Möglichkeit, den Körper halbwegs gut ernährt zu halten. Die Pfleger können hier mit künstlicher Ernährung über Infusionen hier helfen.
Besuch und Kontakt nach draußen
In den ersten Tagen vor der aplastischen Phase kannst du gut Besuch empfangen. Vorsichtshalber sollten aber alle Vorsichtsmaßnahmen der Isolationsphase jetzt schon eingehalten werden, wie zum Beispiel Abstand zwischen Besucher und Patient und gegebenenfalls, wenn die Gefahr einer Erkältung oder ähnlichem besteht, einen Mundschutz zu tragen.
Wie wichtig die Vorsichtsmaßnahmen bei Besuchen sind, habe ich selbst gleich zu Beginn meines Krankenhausaufenthalts erlebt. Eine Freundin besuchte mich während meiner Konditionierung. Zwei Tage später schrieb sie mir, dass sie Gürtelrose bekommen hatte. Ich war völlig erschrocken und hatte große Angst, mich angesteckt zu haben. Statt gleich das Pflegepersonal zu fragen, recherchierte ich stundenlang im Internet und machte mich damit nur noch verrückter. Erst am Abend konnte ich eine Krankenschwester ansprechen. Sie beruhigte mich und erklärte mir, dass eine Ansteckung aufgrund unserer eingehaltenen Schutzmaßnahmen sehr unwahrscheinlich sei. Außerdem hatte ich direkt in den ersten Tagen prophylaktisch ein Medikament, das vor einer Gürtelrosen Infektion schützte, erhalten.
Wenn dich nach einem Besuch etwas beunruhigt, sprich möglichst gleich mit dem Pflegepersonal darüber, statt dich mit einer Internetrecherche immer weiter zu verunsichern.
Aus Sicht der Angehörigen ist der Besuch im Krankenhaus etwas sehr Wichtiges. Eine Angehörige schrieb mir, dass sie ihren Mann täglich besuchte. Sie spielten Karten, oder Kniffel und lachten sehr viel dabei. Sie half ihm auch, die Physiotherapieübungen zu wiederholen. So konnte sie ihn mehrmals motivieren, ab und zu das Bett zu verlassen.
Kontakt zu den Mitmenschen außerhalb der Klinik kann man heutzutage auch gut über die digitalen Medien halten. Ich habe jeden Tag mit meinen Kindern (8 und 14 Jahre alt) geskypt. Auch das gehörte zu den kleinen Highlights meines Alltags.
Wir können heute froh über diese vielfältigen Möglichkeiten der Kontaktaufnahme über Videoanrufe mit Whatsapp, Facetime oder Skype sein. Dadurch empfindet man die Isolation gar nicht als eine solche.
Schlaf und Erschöpfung
Wenn du dir vor Augen führst, was die Therapie für deinen Körper bedeutet, ist es eigentlich kein Wunder, dass Schlaf und Ruhe in dieser Zeit eine große Rolle spielen. Und das ist auch gut so: Denn wenn man viel schläft, vergeht die Zeit im Krankenhaus ein bisschen schneller.
Ich habe mir beispielsweise jeden Tag nach dem Mittagessen eine Stunde Mittagsschlaf gegönnt. Dafür stellte ich mein Handy auf lautlos und sagte dem Pflegepersonal Bescheid, dass ich möglichst nicht gestört werden wollte. Schon nach wenigen Tagen wussten die Pfleger Bescheid und ließen mich, soweit es der Klinikalltag zuließ, in Ruhe schlafen. Diese tägliche Auszeit hat mir unglaublich gutgetan.
Auch andere Betroffene berichteten mir, dass sie während ihres Krankenhausaufenthalts oft sehr müde waren und viel geschlafen haben. Einer Patientin halfen außerdem Gespräche mit einem Pfarrer und Fantasiereisen mit einer Ergotherapeutin, um zur Ruhe zu kommen.
Du siehst, es gibt verschiedene Möglichkeiten für Entspannung und Erholung deines Körpers. So viel geschlafen und einfach nur ausgeruht wie während meines Krankenhausaufenthalts habe ich danach nie wieder. Und ehrlich gesagt finde ich, dass wir Patienten uns diese Ruhe in einer so anstrengenden Zeit auch wirklich verdient haben.
Persönliche Dinge und Beschäftigung

Während der Transplantationsphasen verbringen wir viele Wochen in einem Zimmer: Ich halte es daher für enorm wichtig, diesen Raum zu einem Persönlichen von uns zu machen.
Ich selbst habe eine ganze Menge persönliche Dinge mit ins Krankenhaus genommen, die mich an ein Leben außerhalb der Klinik erinnerten.
So hatte ich ein Foto von meiner Hündin Lola und ein Foto von meiner Familie im Urlaub am Meer in DIN-A3-Format an der Wand gegenüber von meinem Bett aufgehängt. Bilder und Fotos können positive Erinnerungen hervorrufen und Motivation zum Durchhalten bewirken – die Wirkung ist nicht zu unterschätzen.
Eine andere Patientin machte sich das Zimmer mit Glücksbringern und Geschenken gemütlich. Besonders wichtig war ihr das Lieblingskuscheltier ihres verstorbenen Hundes, das sie unter ihrem Kopfkissen aufbewahrte.
Wenn du persönliche Gegenstände mit ins Krankenhaus nehmen möchtest, solltest du vorher beim Pflegepersonal nachfragen, was auf deiner Transplantationsstation erlaubt ist. Die Regeln können sich von Klinik zu Klinik unterscheiden, sind aber heute oft nicht mehr ganz so streng wie noch vor einigen Jahren. Manchmal müssen mitgebrachte Gegenstände vorab desinfiziert werden. Am besten erkundigst du dich deshalb rechtzeitig, damit du auch wirklich alles mitnehmen kannst, was dir die Zeit im Krankenhaus ein wenig angenehmer macht.
Ablenkung und Beschäftigung ist etwas, was wir von unserem Alltag zuhause kennen. In der Klinik sind wir zwar körperlich etwas eingeschränkt und werden nicht so viele aktive Stunden haben, wie zuvor. Dennoch halte ich Beschäftigung für einen der wichtigsten Aspekte in der Krankenhauszeit. Überlege auch du dir deshalb schon vorher, womit du dich gerne beschäftigen würdest und ob es machbar ist im Krankenhaus.
Ich habe damals zum Beispiel mein Spanischbuch mitgenommen und wollte viele Lektionen schaffen. Dass ich kaum mehr als zwei Seiten in diesem Buch gelesen hatte, war im Nachhinein nicht schlimm.
Wichtiger war für mich, wie es sich hinterher herausstellt, Ablenkung durch Gespräche, Telefonate und Mails. Ich schrieb täglich mit meinen Freundinnen, und habe regelmäßig Tagebuch geführt. Das hat mir Freude gemacht und mir geholfen, dass die Zeit schneller verging.
Ein Patient schrieb mir, dass er in der Zeit im Krankenhaus sogar viele neue Leute (mit Maske) kennengelernt hat – andere Patienten, mit denen er viele interessante und unvergessliche Gespräche auf dem Gang hatte. Auch das kann sehr gut über die lange Zeit in der Klinik hinweghelfen. Er betonte, dass man auf keinen Fall seinen Humor verlieren sollte.
Wie übersteht man mehrere Wochen Isolation?
Es gibt viele Möglichkeiten, wie man mit der Bewältigung dieser besonderen Situation in der Klinik umgehen kann. Sich im Klinikalltag abzulenken, hilft, die Zeit erträglicher zu machen und den Blick nach vorne zu richten. Ich empfehle außerdem, bei jedem Problem oder bei Änderungen des körperlichen und auch seelischen Zustandes um Hilfe zu bitten. Das Pflegepersonal ist geschult für die Situation, in der die Patienten sich befinden. Du darfst und sollst jederzeit Bescheid sagen, wenn es dir nicht gut geht, auch wenn es ein psychisches Problem gibt.
Ein besonders beeindruckendes Beispiel, wie sie mit dem Klinikalltag umgegangen ist, schrieb mir eine Patientin, die zunächst Angst vor dem von der Klinik angekündigten Sportprogramm hatte. Sie nahm dennoch teil, aber durch den Corona Lockdown fielen die gemeinsamen Übungen mit anderen Patienten aus. Da bemerkte sie, dass ihr diese Aktivität sehr fehlte.
Schließlich begann sie, allein in ihrem Zimmer zur Radiomusik zu tanzen – und entdeckte darin eine neue Freude.
Wann darf ich wieder nach Hause?

Du darfst nach Hause, wenn du
- Deine neuen Stammzellen angewachsen sind und in ausreichender Zahl im Blut nachweisbar sind
- Wenn du dich selbständig ernähren und du täglich ausreichend trinken kannst
- Wenn es gleichzeitig keine Anzeichen von einem Infekt gibt.
Ich wollte sehr bald nach dem Anwachsen meiner Zellen nach Hause. Ich war schwach und noch nicht wirklich mobil, aber ich glaubte, dass es mir zuhause besser gehen würde.
An einem Abend kam mein Arzt in mein Zimmer und stellt mir eine große Kanne Kamillentee auf den Nachttisch. „Sobald Sie diese zwei Liter am Tag trinken können, dürfen Sie nach Hause“, sagte er. Das Trinken war mein Problem: ich verspürte immer noch eine latente Übelkeit, wenn ich etwas trinken sollte. Das führte dazu, dass ich nicht genug trank und meine Ärzte eine leichte Dehydrierung festgestellt hatten.
Doch nach diesem Abend stellte die Kanne gut sichtbar neben mein Bett und zwang mich immer wieder zu kleinen Schlucken, bis aus einem halben Liter erst ein Liter und schließlich die geforderten zwei Liter geworden waren. Als ich die zwei Liter pro Tag schaffte, durfte ich nach insgesamt fünf Wochen Aufenthalt die Klinik verlassen.
Was ich vor meinem Krankenhausaufenthalt gerne gewusst hätte
Vorbereitung ist wichtig – man ist froh, wenn es endlich los geht
Ich hatte drei Monate von der Diagnose bis zur Klinikaufnahme. Das kam mir endlos vor. Doch Gesundheitschecks, Besuche bei Freunden und ganz viel Organisation für die Zeit meiner Abwesenheit ließen die Zeit sehr schnell vergehen.
Isolation heißt nicht automatisch Einsamkeit
Ich gebe es zu – ich hatte Angst vor den Wochen auf der Isolierstation. Aber dank netter Pflegekräfte und vieler Kontaktmöglichkeiten nach außen habe ich mich erstaunlich wenig einsam gefühlt.
Nicht jeder Infekt ist gleich eine Katastrophe

Ohne funktionierendes Immunsystem können Infektionen gefährlich werden. Aber in der Klinik ist man eng überwacht, und es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten, besonders gute Antibiotika. Auch ich bekam einen unangenehmen Infekt, einen Speicheldrüseninfekt. Aber mein Arzt hat mir sehr schnell das genau passende Antibiotikum verschrieben, das mir innerhalb von 3 Stunden geholfen hat.
Ich werde nicht 11 Bücher lesen können…

Fünf Wochen im Krankenhaus – da könnte ich doch endlich viel lesen. Tja. Mein Körper hatte andere Pläne. Aber es tat gut, alle meine Lieblingsbücher mitgenommen zu haben.
Man kann mit dem Pflegepersonal über alles reden
– über Reisen, über meinen Job, über deren Job, über das Wetter und über die vielen Medikamente, die man jeden Tag schlucken muss. Sie sind die besten, persönlichsten Begleitpersonen im Klinikalltag, die man sich vorstellen kann!
Fazit: Jeder erlebt die Zeit im Krankenhaus anders
Die Wochen im Krankenhaus während einer Stammzelltransplantation sind sicherlich keine einfache Zeit. Dein Körper muss eine Menge leisten, und auch seelisch kann dich dieser Aufenthalt ganz schön herausfordern.
Aber wie du in diesem Artikel an den Erfahrungen verschiedener Patienten gesehen hast, erlebt jeder diese Wochen ein wenig anders. Was dem einen besonders schwerfällt, ist für den anderen vielleicht kein großes Problem.
Oft sind es die kleinen Dinge, die den Krankenhausalltag erträglicher machen: ein vertrauter Gegenstand, ein gutes Gespräch, ein bisschen Bewegung oder einfach eine Stunde ungestörter Mittagsschlaf.
Ich bedanke mich bei den Lesern meines Newsletters, die mir ihre Erfahrungen in der Klinik berichtet haben und somit ganz viel zu diesem ausführlichen Artikel beigetragen haben.
Ich hoffe, ich konnte dir hiermit einen Eindruck davon vermitteln, was dich auf der Transplantationsstation erwartet. Vielleicht kannst du dich nun etwas besser auf diese Zeit vorbereiten und gehst mit ein paar weniger Fragezeichen in deinen Krankenhausaufenthalt.
Mich würde nun deine Erfahrung interessieren:
Hast du selbst eine Stammzell- oder Knochenmarktransplantation hinter dir? Was hat dir während deiner Zeit im Krankenhaus besonders geholfen? Oder was hättest du gerne vorher gewusst?
Schreib es mir gerne in die Kommentare, oder schicke mir einfach eine Mail über Kontakt. Vielleicht hilft dein Tipp einem anderen Betroffenen, der seine Transplantation noch vor sich hat.

