Buch Leukämie

Ein Buch über die Leukämie veränderte mein Leben – warum ich heute selbst über Stammzelltransplantation schreibe

Die Frage „Welches Buch hat dein Leben verändert?“ zur Blogparade von Melanie Hafner ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Denn es gab ein Buch, das mich tief bewegt und angeschubst hat. Dabei ist es ein Buch eines Politikers, das mich da so erwischt hatte, obwohl ich ein ganz und gar unpolitischer Mensch bin.

Aber das Buch von Guido Westerwelle über seine Leukämie Erfahrung mit dem Titel „Zwischen zwei Leben“ kam ganz von selbst zu mir und hat mein Leben nachhaltig beeinflusst.

Buch über Leukämie von Westerwelle
Das Buch von Guido Westerwelle über seine Leukämie Erfahrung

Warum dieses Buch mich dazu gebracht hat, selbst über die Stammzelltransplantation zu schreiben, das berichte ich in diesem Blogartikel.

Kurz-Info

Das Buch, das mein Leben verändert hat, ist „Zwischen zwei Leben“ von Guido Westerwelle über seine Erfahrung mit der Leukämie und der Stammzelltransplantation. Als selbst Betroffene war ich durch Erfahrungen des Autors tief bewegt und wurde zum Nachdenken gebracht. Dabei wurde mir bewusst, wie hilfreich solche Bücher für Menschen mit einer Leukämie sein können, aber auch, wie selten sie sind.

Wie ich zum Buch „Zwischen zwei Leben“ kam

Ich wurde auf das Buch über die Leukämie im November 2015 durch einen Fernsehauftritt von Guido Westerwelle aufmerksam. In einer Talkshow sprach er sehr offen über seine Leukämieerfahrung, die Stammzelltransplantation und die Komplikationen, die danach aufgetreten waren. Genau eine solche Therapie hatte ich drei Jahre zuvor selbst durchlebt. Als er von seiner Abstoßungsreaktion erzählte, die ich aus eigener Erfahrung nur zu gut kannte, war ich sofort berührt. Er sprach sehr ruhig darüber, und ich wollte unbedingt mehr über seine Erfahrungen mit der Transplantation wissen. Deshalb darauf kaufte ich mir sein Buch Zwischen zwei Leben.

Ein halbes Jahr später starb Guido Westerwelle. Ich hörte die Nachricht im Autoradio auf dem Weg zu einer Freundin und war sehr erschrocken. Durch sein Buch hatte ich mich ihm auf besondere Weise verbunden gefühlt. Gleichzeitig schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: Wenn andere Patienten dieses Buch jetzt lesen, bekommen sie dann nicht Angst? Schließlich hatte der Autor in seinem Buch und in Interviews immer wieder betont, dass er glaubte, bald wieder gesund zu sein.

Ich nahm sein Buch daraufhin noch einmal zur Hand, und las es ein zweites Mal durch. Dabei fiel mir auf, dass der Autor neben seiner Erfahrung mit der Krankheit genauso viel über seine politischen Erfolge und Erlebnisse schrieb. Damit war das Buch eigentlich nicht gezielt für Patienten in einer ähnlichen Situation geschrieben. Ich begann nach weiteren Büchern über die Leukämie Erfahrung und das Leben nach Stammzelltransplantation zu suchen. Dabei stellte ich fest, wie wenig es damals dazu gab. Gleichzeitig erinnerte ich mich an die vielen Fragen, die mir selbst immer wieder gestellt wurden: Wie war das damals auf der Isolierstation? Wie hast du diese Zeit geschafft?

Vom Buch über Leukämie zum eigenen Buch

Immer stärker wuchs in mir der Wunsch, meine eigene Erfahrung weiterzugeben. Nicht nur für Menschen, die selbst vor einer Stammzelltransplantation stehen, sondern auch für Menschen, die von einer Knochenmarktransplantation gehört hatte, aber nicht genau wussten, was das ist. Zum Beispiel für Menschen, die Spenderaufrufen folgen und sich für die DKMS typisieren lassen, weil sie etwas Gutes tun wollen – nämlich Leben retten mit ihren Stammzellen!

Stammzellspende
Wie findet man Stammzellspender?

Genau das wurde mir durch Guido Westerwelles Buch bewusst. Es bestärkte mich in dem Wunsch, selbst über die Stammzelltransplantation zu schreiben. Mein Ziel war es, Betroffenen Mut macht und verständlich zu erklären, was sie erwartet.

Zunächst entschied ich mich jedoch für einen anderen Weg. Im Jahr 2017 begann ich an der Autorenschule Schreibhain in Berlin eine Ausbildung zur Romanautorin. Drei Jahre später war mein erster Roman Annas Blut fertig. Es ist die spannende Geschichte einer jungen Frau, die durch eine Leukämie Diagnose mitten aus ihre Leben herausgerissen wird und den Weg durch die Stammzelltransplantation bewältigt. Das Buch erschien 2021 in einem Berliner Verlag, 2024 konnte ich es in einer überarbeiteten Neuauflage mit einem neuen Wunschcover selbst veröffentlichen.

Roman Stammzelltransplantation
So sieht mein Roman mit dem neuen Cover aus.

Parallel dazu gründete ich meinen Blog knochenmarktransplantation-light.de. Dort begann ich, über das Leben vor und nach der Stammzelltransplantation zu schreiben, medizinische Zusammenhänge verständlich zu erklären und meine eigenen Erfahrungen zu teilen. Mit der Zeit bekam ich immer mehr Rückmeldung zu meinen Blogartikeln und auch zu dem Roman, und viele Patienten und auch Angehörige kontaktierten mich direkt.

Den Ratgeber, den ich mir selbst gewünscht hätte

Doch obwohl Annas Blut viele Leser berührt hatte, ließ mich ein Gedanke nicht los. Der Roman machte Mut , aber er beantwortete nicht die vielen konkreten Fragen, die Patienten vor einer Stammzelltransplantation beschäftigen. Gleichzeitig gab es nach wie vor keinen Ratgeber, der sich direkt an Betroffene richtete. Und immer wieder fiel mein Blick auf das Buch von Guido Westerwelle in meinem Bücherregal, mittlerweile ein Bestseller. Auch dieses Buch war nicht direkt eine Hilfe für Menschen in der gleichen Situation, so wertvoll seine persönliche Geschichte auch ist. Ich stellte mir vor, was für ein Buch Menschen in der Situation einer Leukämie-Diagnose suchen: Ein Buch, das Hoffnung macht, Orientierung gibt und medizinische Sachverhalte zum Thema gut erklärt.

Im vergangenen Jahr stieß ich auf einen Kurs von Yonne Kraus zum Thema „Sachbuch schreiben“. Das hat mich angesprochen – doch sollte ich es wirklich wagen?

Noch ein Buch zu dem gleichen Thema? Keine fiktionale Geschichte, sondern ein richtiger sachlicher, hilfreicher Ratgeber?

Ja, ich habe es gemacht.

Ich begann, meinen Ratgeber für Patienten vor, während und nach einer Stammzelltransplantation zu schreiben. Begleitet wurde ich dabei von einer wunderbaren Schreib-Community, in der sich viele Autoren gegenseitig motivierten und unterstützten. Dieser Austausch hat mir sehr geholfen, dranzubleiben und Schritt für Schritt aus einer Idee ein echtes Buchprojekt werden zu lassen.

Was dieses Buch in mir verändert hat

Der Schreibprozess hat mich viel mehr bewegt, als ich erwartet hatte. Ich durchlebte wieder einzelne Phasen auf dem Weg durch diese intensive Therapie, und dabei tauchten viele Erinnerungen wieder auf. Manche waren bedeutend und lang, wie meine Abstoßungsreaktion über mehrere Jahre. Andere waren ganz klein und kurz, wie der Moment, als ich in der Klinik im Badezimmer stürzte, mit dem Kopf gegen die Wand prallte und meinen Ärzten aus lauter Peinlichkeit eine Stunde lang nichts davon erzählte. Wie unvernünftig das war, weiß ich heute natürlich.

Diese besondere Reise des Schreibens  ist nun zuende gegangen.

Ratgeber Leukämie schreiben
Schreiben meines Ratgebers

Im Juni konnte ich schließlich das Wort „ENDE“ unter das Manuskript setzen und es an meine Testleser schicken. Im Juli ging das Manuskript ins Lektorat und in den Buch Satz, und im Herbst wird mein Ratgeber erscheinen.

Während ich an meinem Ratgeber schrieb, wurde mir mit jedem Kapitel bewusster, wie dankbar ich heute bin. Dankbar dafür, diese intensive Therapie überlebt zu haben. Dankbar, dass es mir heute wieder gut geht. Und dankbar für die moderne Medizin, die Menschen mit einer Leukämie durch eine Stammzelltransplantation eine neue Chance auf Leben schenkt.

Dabei musste natürlich auch wieder an Guido Westerwelle und sein Buchdenken. Seine persönliche Geschichte war der Auslöser dafür, dass ich mich überhaupt intensiver mit Büchern zu diesem Thema beschäftigt habe. Bis heute bewundere ich ihn dafür, dass er den Mut hatte, so offen über seine Leukämie und die Knochenmarktransplantation zu berichten. Sein Buch hat viele Menschen bewegt. Ich fand es vom ersten Moment an bewundernswert.

Mein Fazit

Vielleicht bist du selbst nie mit einer Diagnose wie Leukämie oder einer Stammzelltransplantation konfrontiert worden. Vielleicht kennst du aber einen Menschen in deiner Familie, im Freundeskreis oder Kollegenkreis, der gerade genau diesen Weg vor sich hat oder bereits gegangen ist.

Jedes Jahr erhalten in Deutschland rund 3.500 Menschen eine Stammzelltransplantation. Für viele beginnt damit eine Zeit voller Fragen, Unsicherheit und Hoffnung. Bis heute gibt es nur sehr wenige Bücher, die sich direkt an diese Patienten richten und sie vor, während und nach der Therapie begleiten.

Genau diese Lücke möchte ich mit meinem Ratgeber „Stammzelltransplantation – Du schaffst das!“ schließen. Er soll Orientierung geben, Wissen verständlich erklären und vor allem Zuversicht vermitteln.

Wenn du jemanden kennst, dem dieses Buch helfen könnte, freue ich mich sehr, wenn du diesen Artikel weiterleitest oder davon erzählst.

Mein Ratgeber erscheint im Herbst und kann schon bald vorbestellt werden. Wenn du darüber informiert werden möchtest, schreib mir gerne einfach eine E-Mail an annette@die-mertens.de.

Danke, dass du bis hierher gelesen hast. Und jetzt bin ich neugierig: Welches Buch hat dein Leben oder dein Denken nachhaltig verändert?

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