Fernsehauftritt WDR

Mein Fernsehauftritt – und was es mir bedeutete

Ende August Woche war ich im Fernsehen.

Das war wirklich aufregend… Im Fernsehen aufzutreten, ist für die meisten Menschen eine Ausnahmesituation. Ich halte ja gerne Vorträge, aber die Vorstellung, einem Millionenpublikum etwas über mein Leben zu erzählen, hat mich schon ein wenig nervös gemacht.

Wie ist das denn so, im Fernsehen?

Und warum habe ich mich überhaupt einer solchen Herausforderung gestellt?

Solche Fragen wurden mir danach gestellt und ich möchte sie in diesem Artikel beantworten.

Wie es zu meinem Fernsehauftritt kam

Da hat man nun ein Buch geschrieben und lernt, dass dieses Buch nicht direkt ein Bestseller wird. Nein, das war ein Scherz, natürlich hatte ich keinerlei solcher Erwartungen!  Aber ich hatte den Wunsch, dass die Geschichte von Anna und Lola ihre Leser erreicht – Menschen, die vielleicht selbst eine Knochenmarktransplantation hinter sich haben, oder solche, die gerade mitten in einer anderen Krebserfahrung stecken und nicht weiter wissen.

Um Annas Blut einem größeren Kreis bekannt zu machen als nur meinen eigenen Freunden und Bekannten habe ich eine Pressemitteilung verfassen lassen und diese an die Medien geschickt. Am 12. August hatte ich meinen ersten Pressetermin mit der Aachener Zeitung, der einen sehr schönen Zeitungsartikel zur Folge hatte.

Am Freitag darauf bekam ich im Auto einen Anruf. Das WDR Fernsehen wäre interessiert und plante eine Homestory.

Ich sah meine Tochter neben mir im Wagen etwas erschrocken an. Was zum Teufel war denn eine „Homestory“?

Die Erklärung folgte direkt: Ich solle mir doch den kommenden Montagvormittag frei halten. Dann käme das Fernsehteam direkt zu uns nach Hause. Hilfe.

Weil wir an dem Wochenende dazwischen verreisten, hatte ich genügend Ablenkung, um nicht zu viel an die „Homestory“ zu denken. Doch Sonntag Nachmittag bat ich meinen Mann, allerdings, etwas früher nach Hause zu fahren, um die Wohnung „fernsehgerecht“ zu gestalten.

Besuch des Fernsehteams in meinem Wohnzimmer

Montag um 10 Uhr war es dann soweit. Vor der Haustür standen das Kamerateam mit drei Personen: Ein Kameramann, ein Begleiter, der ein großes Mikrofon hielt und die Redakteurin, mit der ich ja schon telefoniert hatte. Unser Spaniel Sherlock musste zunächst einmal die große, gefährliche Kamera kräftig anbellen.

Sehr schnell entschieden wir gemeinsam, wo gedreht wurde. Und ich lernte, dass man für einen Fernsehbeitrag eine ganze Menge Filmmaterial produzieren muss, aus dem dann ein kurzer  Beitrag zusammengeschnitten wird. So bastelten wir  unzählige kleine Filme zusammen – in der Küche, im Garten mit unserem Hund, im Arbeitszimmer meines Mannes vor der großen Segelleinwand, und draußen hinter unserem Haus bei einem Spaziergang mit Sherlock.
Die drei Stunden vergingen wie im Fluge und vor lauter Spaß am Drehen habe ich keine Minute mehr daran gedacht, vielleicht doch nervös zu sein.

Drehen zu Hause fürs Fernsehen
Mein Mann und ich werden beim kochen gefilmt.
Fernsehbeitrag WDR

Ein Live-Auftritt: Das Interview im Studio

Mit dem Dreh in unserem Zuhause war es aber nicht getan. Die Redakteurin bat mich, den Beitrag, der eine Woche später in der „WDR Lokalzeit Aachen“ gesendet werden sollte, als Studiogast zu begleiten. Während  eines kurzen Auftritt im Studio (Hilfe – Aufregung!) sollte ich noch ein paar Fragen live (nochmal Hilfe – wie soll ich das nur schaffen?) zu beantworten. Ich sagte mal Ja dazu, denn ich hatte ja eine ganze Woche, mich zu erholen und mich darauf vorzubereiten.

Der Eintritt in das Fernsehstudio war ein richtiger Wow-Effekt für mich. Ich fand es spannend, wie viele Personen bei einer Fernsehsendung mithelfen. Einer war für die Kameras zuständig, die an bestimmten Positionen standen, einer nur für den Text, der durch den Prompter läuft, und von oben hörten wir die Stimme des Regisseurs aus dem Regieraum, der sich ab und zu einschaltete. Spannend! Ich hatte sogar eine eigene Betreuung, die mich in dem exakt richtigen Moment von meinem Stuhl im Hintergrund vor die Kamera begleitete.

WDR Studio Aachen
Kurz vor der Sendung

Die Moderatorin Amelie Fröhlich war die Heldin für mich. Sie war sehr entspannt und fröhlich (da war der Name wirklich Programm), dabei aber nicht aufgesetzt, sondern einfach sehr professionell. Sie hatte mich ein paar Stunden vor dem Auftritt angerufen und mir ein paar Tipps und Informationen gegeben. Ihre ruhige und lockere Art war mir schon am Telefon sehr sympathisch gewesen.

So wurde mir kurz vor meinem Interview, mit einem Pinsel noch Corona-like durch das Gesicht gefahren und dann ging die rote Lampe an. Frau Fröhlich stellte mir insgesamt drei Fragen zu meiner Geschichte, zu meinem Buch, und was ich anderen Menschen mitgeben möchte. Dann war der Spuk schon vorbei. Ich hatte wirklich keine Zeit gehabt, aufgeregt zu sein.

Fernsehauftritt WDR Lokalzeit
So sah das Interview im Fernsehstudio aus.

Nach dem Aufritt sind wir nach Hause gefahren und haben uns das ganze in der Mediathek geguckt- tatsächlich, da war ich. Ich brauchte ein großes Glas Sekt dazu.

Was waren meine größten Herausforderungen bei dem Fernsehauftritt?

Vorbereitung für das Fernsehteam – Aufräumen


Ich bin keine gute Hausfrau. Der Gedanke, dass fremde Leute in meinem Wohnzimmer filmen, bereitete mir schon Tage vor dem Dreh schlaflose Nächte.  Nachdem ich mein Wohnzimmer und meine Küche richtig gut aufgeräumt habe, ging es mir besser.

So war ich fast enttäuscht, als der Kameramann zu mir sagte: „Viele Leute räumen viel zu viel auf. Das ist gar nicht nötig, denn wir wollen doch authentische Beträge filmen.“ Da hätte ich auch selbst drauf kommen können. Beim nächsten Mal lasse ich mein Wohnzimmer so, wie es ist. Naja, die Hundehaare vom Sofa werde ich vielleicht noch wegsaugen.

Vorbereitung für die Studioaufnahme – Was ziehe ich an?

Eine typische Frage für jede Frau, oder?  Da ich in den 18 Corona Monaten wenig in der Öffentlichkeit war und nicht mehr in ein Büro musste, bestand mein aktueller Kleiderschrank aus vielen Wohlfühl-Klamotten, die ich nicht fernsehtauglich fand. Ich habe aber die Redakteurin direkt selbst gefragt. Ihre Antwort, ganz normal, bloß nichts kleinkariertes, war hilfreich. Fast hätte ich wirklich eine karierte Bluse angezogen.

Vorbereitung für das Interview – Was erzähle ich?

Die inhaltliche Vorbereitung für das Studio-Interview fand ich nicht schwierig– mir fiel sofort sehr viel ein, was ich erzählen wollte. In endlosen Selbstgesprächen ging ich die typischen Fragen im Vorfeld durch. Meine einzige Sorge war es, dass ich etwas Wichtiges vergesse.

Was bedeutet mir dieser Fernsehauftritt?

Am meisten bedeutete es mir, dass viele Menschen den Beitrag gesehen haben. Und mir Feedback gegeben haben.  Die Vorstellung, dass sich an dem Dienstag Abend viele meiner Freunde extra Zeit genommen haben, um mich live vor der Kamera zu sehen, macht mich jetzt noch ganz kribbelig. Dass ich mich selbst auf dem Bildschirm nicht so schön fand, spielt jetzt keine Rolle mehr.

Ich gebe zu, dass ich ein klein wenig stolz war, mich nicht ein einziges Mal versprochen oder verhaspelt zu haben. Für das erste Mal vor der Kamera war es ein wirklich guter Auftritt.

Meine Mission

Warum habe ich den ganzen Trubel mitgemacht?
Ich habe mich sehr gefreut, die Gelegenheit zu bekommen, über meine Lebensgeschichte zu berichten. Natürlich ist es auch eine tolle Möglichkeit gewesen, „Annas Blut“ vorzustellen. Denn das Buch wird besonders gerne von Betroffenen gelesen, von Menschen, die selbst eine Krebserkrankung überwunden haben oder gerade mitten in einer solchen Situation stecken. Diese Menschen zu finden und mit meiner Geschichte zu erreichen ist über Facebook & Co. nicht ganz einfach.

Aber es war auch etwas anderes, was mich getrieben hat, meine Unerfahrenheit und Nervosität zu überwinden und einfach in das Studio zu gehen.

Das Thema Krebs ist erst in den letzten Monaten mehr und mehr in die Öffentlichkeit getreten. Es gibt Patienten, die über ihre Erkrankung sprechen und damit anderen Mut machen wollen. Es gibt mittlerweile online Selbsthilfegruppen wie Yeswecan!cer oder Cancer unites, in denen sich Betroffene austauschen und helfen können. Ich gehöre auch zu diesen.

In meinen Beiträgen möchte ich aber nicht nur auf die Bewältigung einer Krebserkrankung aufmerksam machen, sondern auch auf die spezielle Form der Leukämie-Therapie. Die Stammzelltransplantation ist vielen Menschen unbekannt.
Auch wenn der Vorgang der Knochenmarkspende durch die Medien und durch die Spenderorganisationen (DKMS zum Beispiel) sehr publik gemacht worden ist – was nach der Spende mit den Zellen passiert, wissen nur wenige.
Durch meinen Fernsehbeitrag konnte ich viel mehr Menschen erreichen, als durch jeden einzelnen Blogartikel. Und ich hoffe, dass der eine oder andere vor dem Fernsehen bewegt und berührt war von der Reise, die jeder Patient dort durchmachen muss. Die Situation in einer Klinik, in der den Patienten das Immunsystem völlig zerstört wird, und das Warten auf das Anwachsen der neuen Zellen, ist eine Grenzerfahrung.
Ich habe es immer für wichtig gehalten, diesen Prozess bekannt zu machen. Denn je mehr Menschen über die Knochenmarktransplantation Bescheid wissen, desto mehr sind auch bereit, sich typisieren zu lassen und als Stammzellspender zur Verfügung zu stehen.

Mein Fazit

Ich bin dankbar für die Erfahrung, im Fernsehen sprechen zu können. Ich danke den Redakteuren und allen anderen Beteiligten für den wunderschönen Film, den du in der Vorschau hier ansehen kannst. Und ich kann nur jeden ermutigen, der etwas wichtiges zu berichten hat, und anderen Menschen Mut mit seiner eigenen Erfahrung machen möchte: Wendet Euch einfach mal an die Presse. Journalisten suchen immer interessante Themen, die aus dem normalen Rahmen herausfallen und menschliches zeigen. In Zeiten wie jetzt, wo die Menschen viel Leid und Katastrophen jeden Tag in den Nachrichten und lokalen Berichterstattungen serviert bekommen, sind Sendungen über ganz normale Menschen wie du und ich wertvoll.

WDR Lokalzeit Aachen
So wurde der Fernsehbeitrag angesagt.

Wie ist deine Meinung zu dem Fernsehbeitrag? Was hast du noch auf dem Herzen, wenn du den Zusammenschnitt ansiehst? Schreibe mir gerne noch unbeantwortete Fragen in den Chat oder einfach als E-Mail an mich. Ich freue mich drauf!

Wenn du einen Einblick in den Fernsehbeitrag sehen möchtest, klicke hier auf den link.

2 Kommentare zu „Mein Fernsehauftritt – und was es mir bedeutete“

  1. Liebe Annette,
    Das ist total spannend was du da geschrieben hast, wie es hinter den Kulissen so abläuft. Ich kann mir richtig vorstellen wie aufgeregt du warst. Aber man hat es in keiner Minute gesehen oder gemerkt. Es wirkte alles sehr professionell, Hut ab. !!!
    Ich find es sehr toll was du da angekurbelt hast und auch deine Webseite ist sehr toll. Dein Buch ist auch sehr toll, aber dazu schreibe ich gleich noch eine e-Mail .
    Liebe Grüße und weiter so
    Heike

    1. Liebe Heike,
      das finde ich super nett, dass du nicht nur den Beitrag gesehen hast, sondern auch Annas Blut gelesen hast! Danke schön für dein Feedback! Ich war schon aufgeregt, besonders an den Tagen davo Aber es war eine schöne, positive Aufregung, nicht so wie früher, als ich im Job anstrengende Vorträge halten musste und es wirklich um meine Leistung im Beruf ging. Deshalb bin ich manchmal sehr froh, dass ich dort nicht mehr arbeiten muss. Herzliche Grüße, Annette

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