Vortrag halten

Warum ich es liebe, einen Vortrag zu halten

Bevor ich so krank wurde, stand ich jede Woche mindestens zweimal „vorne“. Vor meinen Kollegen der Marketing Abteilung, vor der Forschungsabteilung, vor der Geschäftsführung, aber sogar auch vor chinesischen Ärzten oder vor internationalen Schmerzspezialisten. Es war eine meiner Hauptaufgaben, Vorträge über die Medikamente der pharmazeutischen Firma zu halten, in der ich 26 Jahre lang angestellt war. Als ich in diesem Jahr im März zweimal einen Vortrag über mein Buch Annas Blut, und über das Schreiben eines Romanes halten durfte, habe ich mich richtig gefreut. Ich habe gemerkt, dass mir das Vortraghalten in den letzten Jahren gefehlt hat. Denn ich mag es sehr, sehr gerne.

Wie kommt es, dass ich das so sehr liebe, vorne zu stehen, und über ein Thema, in dem ich mich gut auskenne, zu referieren? In diesem Blogartikel erzähle ich dir, wie es dazu gekommen ist und welche Berg- und Talfahrten ich dabei erlebt habe.

Einen Vortrag zu halten ist ein kleines Highlight für mich

Vielleicht kommt dir oben beschriebenes befremdlich vor, denn wenn du vor Publikum reden muss, hast du Lampenfieber. Du weißt, dass dir fast die Luft wegbleibt, wenn du in den Saal schaust, und dort mehr als 20 Personen erwartungsvoll sitzen siehst. Oder noch viel schlimmer: Du hast schon Herzklabaster, bevor du den Computer hochfährst, um kurz danach Zoom zu öffnen und zehn bis fünfzehn Teilnehmer deines Webinars zu begrüßen.

Lampenfieber beim Vortraghalten
Lampenfieber ist völlig normal

Ich kenne das auch – aber lass mich dir erzählen, welche Erfahrungen ich am Anfang gemacht habe.

Reisen nach Österreich und nach Asien – meine ersten Erfahrungen einen Vortrag zu halten

Als Biologin landete ich in meiner ersten Anstellung in der internationalen wissenschaftlichen Abteilung einer mittelständischen Pharmafirma. Ich war zuständig für ein weltweit eingesetztes Schmerzmittel und bald kam zu meinen ersten Einsatzgebieten Österreich und der Schweiz Länder in Asien dazu – China, Taiwan, Thailand und Hong Kong. Dort berichtete ich von klinischen Studienergebnissen und sprach mit Ärzten in den Krankenhäusern.

Vortrag halten in China
Einer meiner ersten Vorträge – in Xian, China


Ich fand es spannend, aber zu der normalen ersten Aufgeregtheit als Berufsanfängerin kam meine Unsicherheit in der englischen Sprache. Alle meine Kollegen waren mehrsprachig, darunter Französisch, Spanisch und Russisch. Da hatte ich mit meinem Schulenglisch einen schweren Stand.

Doch in diesen Jahren bekam ich Routine im präsentieren. Mein Englisch wurde besser, die Inhalte wurden mir geläufiger und ich konnte bald aus dem Stehgreif spontan über unser Medikament eine kleine Präsentation halten. Die Übung machte es!

Ich lernte für meine Themen zu brennen

Ich lernte von meinem Chef, mit dem ich über mehrere Jahre zusammen reiste. Er war ein vorzüglicher Redner, weil er zu 100 % hinter dem stand, was er referierte. Es war bewundernswert, wie schnell er alle Zuhörer auf seiner Seite hatte und sie im Laufe eines Vortrages von seinem Fachwissen überzeugte. Das gefiel mir sehr gut, und ich begann mir dies als Strategie vorzunehmen. Als ich mich darauf intensiv mit den wissenschaftlichen Inhalten beschäftigte, wurde ich im Job allgemein und auch im Vortragen immer sicherer.

Noch bevor unser zweites Kind, meine Tochter, auf die Welt kam, wurde ich Projektleiterin für ein brandneues Medikament in unserer Firma. Ein Schmerzmittel, das bald weltweit ausgeboten werden sollte. Ich war begeistert, dass man mir, mit einer Teilzeitstelle als junge Mutter mit einem Sohn, diese Verantwortung zutraute. Nun hatte ich Gelegenheit, mich intensiv mit dem neuen Produkt zu beschäftigen, und das tat ich dann.

Je mehr ich das Medikament kannte, desto mehr begann ich dafür zu brennen. Jeden Morgen fuhr ich ins Büro und freute mich darauf, das neue Produkt nach vorne zu bringen – ich war überzeugt von dem, was ich tat. Als ich das erste Mal das Medikament vor der ganzen Marketing Abteilung vorstellen sollte, schickte einer meiner Kollegen mir hinterher eine begeisterte Nachricht – Wow, was für ein toller Vortrag! Du hast mich sehr beeindruckt!

Warum erzähle ich das hier? Ich glaube, es ist die wichtigste Voraussetzung für einen guten Vortrag, dass du für dein Thema brennst. Dass du mit deiner Person zum Zeitpunkt des Vortrags 100 % hinter deinen Inhalten steht. Und dass du diese Einstellung von innen heraus austrahlst.

Begeisterung für das Thema des Vortrags
Je mehr du für dein Thema brennst, desto mehr strahlst du aus

Nach meiner ersten Krebsdiagnose bin wieder in meinen Job eingestiegen

Um kurz noch in meiner Chronologie fortzufahren, möchte ich meine beiden Krebsdiagnosen hier erwähnen. Die erste war in 2007, Brustkrebs, die mich über ein Jahr aus dem Arbeitsleben hinausgeworfen hat. Das war schwer, aber ich bin mit hoher Motivation danach wieder eingestiegen. Das hat zunächst funktioniert, allerdings kam drei Jahre später die MDS Diagnose und meine Knochenmarktransplantation. Wenn Du Dich mit der Knochenmarktransplantation als Patient oder Angehöriger schon beschäftigt hast, weißt du, dass danach oft alles anders ist.

Ja, auch danach habe ich wieder angefangen zu arbeiten. Und auch das hat einige Jahre funktioniert. Aber ich war gesundheitlich nicht mehr ganz auf der Höhe, konnte nicht mehr so viel reisen. Präsentationen habe ich dennoch weiter gehalten, mehr intern und manchmal habe ich Vorträge für meine Chefs vorbereitet.

Was sonst noch für einen guten Vortrag wichtig ist – die Vorbereitung

Ich habe eben noch von der Begeisterung für das Thema geschrieben – ich muss allerdings zugeben, dass das alleine natürlich nicht ausreicht. Wenn ein Vortrag sprachlich nicht gut strukturiert ist, die Inhalte nicht gut aufbereitet sind, kommt die Botschaft nicht rüber.

Ich habe in meinem Berufsleben viele Power Point Präsentationen erstellt – glaubt mir, sehr sehr viele… Manchmal war ich auch erschöpft davon, mehrere Stunden in der Woche eine Folie nach der anderen zu designen und nicht nur gute Inhalte sondern auch noch fancy Layouts zu produzieren. In den letzten Jahren wuchsen die Ansprüche und wir mussten zum Glück nicht mehr alles selbst machen, sondern hatten Grafiker zur Seite.
So weit muss es für dich bei deinen Vorbereitungen für einen Vortrag gar nicht gehen. Eines kann ich dir aber mitgeben: Auch hier macht die Übung alles. Eine Präsentation mit klar gegliederten Folien, die vor allen Dingen nicht zu voll sind, ist immer eine gute Grundlage für einen guten Vortrag, dem alle Zuhörer gut folgen können.

Vorbereitung mit Power Point
Hier ein Beispiel für eine Biologie Vorlesung von mir

Vorbereitung der Inhalte – die Zuhörer abholen

Mein Vorträge habe ich nicht nur vor Ärzten gehalten. Es gab auch viele interne Meetings, in denen ich mein Projekt, mein Schmerzmedikament, das ich ja erfolgreich betreuen wollte, anderen Kollegen und Teams in der Firma vorgestellt habe. Das waren dann manchmal Forscher, die sich genau mit wissenschaftlichen Studiendaten auskannten. Manchmal aber auch meine Kollegen aus der Werbeabteilung, die mir ein gute Webseite, eine tolle Broschüre oder einfach nur ein klasse Logo designen sollten. (Ihr seht schon, so ein Job in der Industrie ist echt vielseitig :-) ).

Mir war es immer wichtig, vorher zu überlegen, wen ich jeweils vor mir sitzen hatte. So versetzte ich mich stets in die Lage meiner Zuhörer und überlegte mir, was diese zu dem jetzigen Zeitpunkt unbedingt wissen wollten. Klar, falls du dich selbst einmal mit Marketing beschäftigt hast, weißt du – das ist typisch für die Denkweise dort. Für einen guten Vortrag ist es total wichtig, die Zuhörer dort abzuholen, wo sie stehen. Denn es nutzt gar nichts, mein Publikum mit einem wissenschaftlichen Vortrag von meinem Produkt überzeugen zu wollen, wenn sie sich mit medizinischen Fachausdrücken gar nicht auskennen.

Ein weiterer Tipp für einen Vortrag – Die Einleitung

Und wie war das mit dem Lampenfieber bei mir?
Dagegen habe ich in einem Seminar zum Thema „Perfekt präsentieren“ etwas Tolles gelernt.

Eine gute Einleitung hilft über die ersten, spannenden Sekunden, die für jeden (behaupte ich jetzt mal) einen gewissen Nervenkitzel darstellen. Das bedeutet – deine Einleitung muss nicht nur gut durchdacht und vorbereitet sein – sie muss auch sitzen. Ich habe gelernt, dass es extrem hilft, die ersten Sätze auswendig zu lernen.

Diese Methode einmal angewandt, führte dazu, dass ich sie nicht mehr missen wollte. So bereite ich auch heute noch alle Vorträge mit ausführlichen Sätzen für die EInleitung vor, und ab Seite 2 meines Skriptes findest Du nur noch Stichworte. Besonders bei englischen Vorträgen hat sich das für mich sehr bewährt. So habe ich auch eine ganze Menge originellerer Vortrags-Anfänge kreiiert, als das übliche: „I am so happy to be here…“.

Noch etwas fürs Mindset – Freue Dich, dass Dir alle zuhören

Durch die Notwendigkeit im Berufsleben immer in Englisch zu präsentieren, kam ich zu dem letzten Tipp, den ich dir hier mit auf den Weg geben möchte.

In meinem Arbeitsumfeld hatte ich bald nur noch mit internationalen Kollegen zu tun, von denen die Hälfte nativ Englisch sprachen (muttersprachlich waren) und einige andere Kollegen eine lange Zeit im englisch-sprachigen Ausland verbracht hatten. In den meisten Besprechungen wurde heiß diskutiert und Strategien entwickelt. Meine überwiegend männlichen Kollegen waren nicht nur ehrgeiziger, sondern vielfach auch viel durchsetzungsfähiger und redegewandter als ich. Ich hielt mich gerne im Hintergrund, hatte allerdings eine ganze Menge Ideen, die ich mich nicht traute, anzubringen. Denn bis ich die einmal in meinem Schulenglisch formuliert hatte, wurde ich längst unterbrochen und von meinen wirklich brillant diskutierenden Kollegen „platt“ geredet.

Klar, dass mich das wurmte. Als ich jedoch in einer der heißen Entwicklungsphasen für mein Produkt einmal eine lange Präsentation vor großer Runde halten sollte, schlug ein Gedanke wie ein Blitz bei mir ein.

Zuhörer bei einem Vortrag
Freue dich über die vielen Zuhörer!

Das war jetzt meine Chance – da saßen sie alle, vierzig Marketing-Manager, sollten (und wollten) mir zuhören und hatten (sorry) einfach nur die Klappe zu halten! Was für ein Gefühl! Du kannst dir sicher vorstellen, dass diese Erkenntnis mich an diesem Tage beflügelte und ich nachfolgend einen der besten Vorträge meines Berufslebens hielt.

Mein Fazit – und meine Geheimtipps für dich, wenn Du einen Vortrag halten musst

Du hast bestimmt gemerkt, dass ich wirklich gerne Vorträge halte. Mittlerweile unterrichte ich an zwei Aachener Krankenhäusern Biologie und bin begeistert, wöchentlich mein Fachwissen an junge Menschen weiter vermitteln zu dürfen. Bis ich diese Begeistertung hatte, gab es insgesamt eine Menge Fallstricke und nervlichen Streß für mich. Hier sind zusammengefasst die drei Strategien, die dazu führen können, dass auch du bestens vorbereitet und entspannt einen Vortrag halten kannst:

  • Sei begeistert von dem, was Du vortragen möchtest.

(Kleiner Einschub: Wenn du nicht begeistert bist, versuche es zu werden. Beschäftige dich so lange mit dem Thema, bis du irgendetwas fesselndes, spannendes und positives daran findest. Zumindest bis nach dem Vortrag.)

  • Gute Vorbereitung

Bereite Folien vor, die dir selbst super gut gefallen. Und lerne deine EInleitung und den Schluss, die letzten zwei Sätze, auswendig. Es wird dir in den Einstieg helfen und einen tollen Abgang verschaffen.

  • Freue Dich auf den Vortrag!

Freue dich darüber, dass sie alle da sitzen und dir, nur dir, zuhören. Das hast du verdient, denn du bist ein Experte für dein Thema und du hast etwas zu sagen!

Ich liebe es Vorträge zu halten
Besonders gerne habe ich auf privaten Feiern gesprochen – hier der 50. Geburtstag meines Mannes…

Merkst du schon, dass du Spaß daran bekommst, einen Vortrag zu halten? Kribbelt es dir schon in den Fingern?

Super, das freut mich – dann habe ich eine kleine Mindset-Änderung erreicht. Schreibe mir doch in den Kommentaren, ob du meine Erfahrungen nachvollziehen kannst – oder was du bei Vorträgen von dir erlebt hast! Ich bin sehr, sehr neugierig von dir zu hören!

Übrigens – in ein paar Tagen halte ich einen online Vortrag zum Thema Corona-Impfstoffe. Da gibt es natürlich anschließend auch einen aktualisierten Blogartikel zu! Wenn dich das interessiert, schau wieder hier vorbei!

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