Corona Erfahrungsbericht

Wie ist der Corona Krankheitsverlauf denn eigentlich? Ein Erfahrungsbericht

Corona hält uns nun seit sechs Monaten in Atem. Wir haben einen Lockdown erlebt, Hygieneregeln gelernt, Schließungen von Geschäften, Lokalen sowie Schulen und Kindergärten ertragen, und Lockerungen erlebt. Mittlerweile hat jedes europäische Land (von den anderen einmal gar nicht zu sprechen!) seine eigene Art und Weise, mit dem Virus umzugehen. Aber: Wie ist eine Corona Erkrankung nun wirklich?

Die Sommerferien haben viele genutzt, um wieder zu verreisen – trotz der Sorge, sich selbst woanders zu infizieren und auch trotz aller Warnungen, das Virus nicht nach Hause einzuschleppen. Nun, seitdem in vielen Bundesländern die Schulen wieder angefangen haben, steigen unsere Infektionszahlen wieder.

Mir macht das Sorgen. Auch ich habe mich in diesen Sommer wieder mit Freundinnen draußen im Wald oder auf der Terrasse getroffen , und bin mit der Familie nach Holland gefahren , um die Ferien am Meer zu verbringen. Doch gleichzeitig habe ich mit Schrecken an den beginnenden Herbst und Winter gedacht, wo wir wieder mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringen werden.

Es fühlt sich für mich wie eine dunkle Macht an, die über uns schwebt, und die unser Leben weiter beeinflusst. Wer hätte das vor einem Jahr gedacht, dass sich unsere Gesellschaft in 2020 so sehr verändert?

Nach so vielen Wochen werden wir Menschen nun müde, uns an all diese Regeln zu halten. Zwar haben wir alle unsere Mund-Nasenschutze im Auto hängen, oder vielleicht jeweils einen in der Handtasche. Aber auch ich ertappe mich manchmal dabei, ohne Mundschutz, so wie früher, einfach nur mit Jacke, Handy und Portemonnaie aus dem Haus zu gehen.

Corona Schutzmaske

Wenn ich Freunde treffe, begrüßen wir uns nicht mit Umarmung, sondern mit einem Ellenbogen-Schubser. Gut und schön – aber sind das wirklich anderthalb Meter Abstand? Denken wir wirklich einen ganzen Abend lang mit maximal zwei Freunden bei einem schönen Glas Rotwein und einem leckeren Essen daran, jeden unserer Freunde nicht näher als diesen Abstand an uns herankommen zu lassen?

Wir möchten alle wieder normal leben, jeder sehnt sich nach Normalzuständen. Aber das Virus ist noch da, irgendwo in der Luft oder in den Aerosolen, oder vielleicht doch nur in den Zahlen? Manchmal erscheint es selbst mir, die sich solche Sorgen zu Beginn gemacht hat, als so unwirklich, so klein, so irreal!

Was bedeutet es denn eigentlich, an Corona erkrankt zu sein?

Wie ist der Krankheitsverlauf denn wirklich? Viele wissen es nicht genau, denn wer kennt schon jemanden, der den Infekt wirklich hatte? Deshalb können wir viel zu selten Menschen nach ihrer reellen Erfahrung mit der Corona Erkrankung fragen. Eine Tatsache, die zwar wundervoll ist, aber dazu führt, dass das Virus immer noch im Ungewissen bleibt.

Mir haben diese Fragen keine Ruhe gelassen, und als im Juli meine Freundin sich mit Corona infizierte, habe ich sie gefragt, ob sie mir ein paar Fragen zu Ihrem Krankheitsverlauf beantwortet. Ich freue mich sehr, dass sie das getan hat, und ich möchte Euch dieses Interview nicht vorenthalten, denn ich halte es für sehr wichtig.

Hier das Interview mit Katharina zu ihrer Corona Erkrankung.

Liebe Katharina,

ich möchte Dich gerne zu Deiner Corona-Infektion befragen.

Für mich, als Risikopatientin, bedeutet Covid eine ernsthafte Bedrohung, und je mehr ich darüber weiß,  desto besser kann ich die Krankheit einschätzen.

Danke, dass Du Dich bereit erklärt hast, mir mit diesem Interview zu helfen.

Katharina ist 30 Jahre alt, stammt aus NRW und wohnt zurzeit in den Niederlanden, genauer gesagt in Vrouwenpolder, einem kleinen Dorf an der Zeeländischen Küste. Hier hielt sie sich auch auf zum Zeitpunkt ihrer Infektion.

Wann genau hattest Du die Covid-19 Infektion?

– Am 15. Juli hatte ich die ersten Symptome und am 29. Juli 2020 war ich den ersten Tag wieder symptomfrei.

Wie viele Tage hat die Infektion bei Dir gedauert?

– 14 Tage.

Kannst Du uns etwas dazu sagen, wie Du gemerkt hast, dass Du eventuell infiziert bist? Was waren die Symptome, die Dich stutzig gemacht haben?

– Ich habe gleich zu Beginn meinen Geschmackssinn verloren – ohne dass ich erkältet war. Und zwar vollständig, ich konnte wirklich nichts mehr riechen oder schmecken. Als dann noch nachts Schüttelfrost dazukam, war mir klar, dass ich mich testen lassen muss.

Wie kam es dazu, dass ein Test gemacht wurde – war das Deine Bitte oder die Empfehlung Deines Arztes?

– Eigentlich beides. Da wir einen eigenen Betrieb haben, wo wir auch mit vielen verschiedenen Menschen Kontakt haben, war mir das sehr wichtig, um gleich „Fakten zu schaffen“.

Kannst Du zurückverfolgen, wo Du Dich angesteckt haben könntest?

– Nicht wirklich. Durch unseren Betrieb sind wir viel auf dem eigenen Grundstück unterwegs. Wir haben hier von Beginn an alle Sicherheitsregeln beachtet (1,5 m Abstand, viel Hände gewaschen/desinfiziert, etc.). Wir haben uns nicht viel außerhalb des Betriebs aufgehalten. Allerdings bin ich im Supermarkt gewesen. Hundert Prozent sicher kann ich aber nicht sagen, ob ich mich wirklich dort angesteckt habe.

Wie war der Verlauf der Infektion während der ersten Tage?

– Die ersten Tage hatte ich tatsächlich grippeähnliche Symptome: Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen.

Gab es eine Verschlimmerung im Laufe der Zeit?

– Leider ja. Mit jedem Tag bekam ich schlechter Luft.

Was waren die vorherrschenden Symptome? Wovon warst Du am meisten beeinträchtigt?

– Tatsächlich durch die Luftnot. Ich konnte nachts nur mit mehreren Kissen unter dem Kopf schlafen, weil ich regelrecht das Gefühl hatte zu ersticken. Tagsüber hat mich schon der Gang zum Kühlschrank total geschafft.

Hattest Du auch Schmerzen?

– Ja, meine Lungen taten bei jedem Atemzug weh (und sie tun es immer noch ein wenig!).

Hattest Du für die Covid-Erkrankung ärztliche Betreuung? Oder bist Du zuhause geblieben, in Quarantäne sozusagen?

– Am dritten Krankheitstag ist der Hausarzt zu mir gekommen, um mich wegen der Luftproblematik zu untersuchen. Der hat mich dann auch gleich weiter verwiesen ins Krankenhaus, wo ich mich bei einem Pneumologen/Lungenfacharzt vorgestellt habe.

Wie war Deine psychische Verfassung? Hast Du Dir Sorgen gemacht?

– Ja. Wir haben erst im Frühjahr mit unserem Betrieb begonnen. Niemand konnte mir sagen, wann ich wieder fit sein werde. Das hatte schon Auswirkungen auf meine Psyche. Dazu kam die Luftnot, die eine gewisse Disziplin erfordert, besonders wenn man sich noch nicht daran gewöhnt hat. Sicher nachts Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu geraten, war nicht einfach.

Was hat Dir besonders Angst gemacht?

– Definitiv die Luftnot.

Den bekannten Geschmacks- und Geruchssinn-Verlust, hast Du den auch gespürt?

– Ja und er hat auch tatsächlich zwei Wochen angedauert.

Hast Du jetzt, nach der Infektion, noch bleibende Symptome oder Schäden?

– Ein klares JA! Ich habe noch immer Luftprobleme, eine Art Asthma wovon auch noch nicht deutlich ist, wann bzw. ob es jemals nochmal besser wird.

Hast Du, in der Zeit der Unwissenheit über Deine Infektion, versehentlich jemand anderes angesteckt?

– Zum Glück nicht! Mein Mann, der die ganze Zeit über bei mir war, ist negativ getestet und die ganze Zeit gesund gewesen (also wenn überhaupt hätte er mich angesteckt haben können).

Wie hast Du Deine Mitmenschen nach Kenntnis der Infektion geschützt? Hat Abstand gereicht, oder hast Du kontinuierlich einen Mundschutz getragen?

– Ich habe mich in Selbstisolation begeben, bin wirklich nicht mehr vor die Tür gegangen.

Was möchtest Du anderen Menschen mitgeben, bezüglich dieser Erkrankung?

– Es wird sehr viel über den akuten Zustand geredet. Natürlich ist es nicht schön, zwei Wochen lang mit grippeähnlichen Symptomen zu kämpfen. Im Nachhinein, finde ich aber die Folgeerscheinungen viel schlimmer. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir hiervon vorher in keinster Weise bewusst war. Ich war bis dato immer gesund, habe nicht geraucht und weiß zum heutigen Zeitpunkt nicht, ob meine Lunge jemals nochmal in den „Normalzustand“ zurückkehrt. Das ist dann auch das, was ich anderen Menschen gerne mitgeben möchte: Nehmt es nicht zu leicht.

Liebe Katharina, ich bin Dir sehr dankbar, dass Du so offen auf meine Fragen geantwortet hast. Mich selbst hat dieses Interview noch einmal mehr aufgerüttelt. Ich passe jetzt, nachdem ich mit Dir gesprochen habe, wieder ein wenig besser auf mich auf.

Ich hoffe sehr, Ihr habt etwas aus diesem Interview mitnehmen können. Habt Ihr auch schon einmal mit einem Coronapatienten persönlich sprechen können? Wie sind Eure Erkenntnisse daraus? Auch, wenn Corona immer noch ein Reizthema ist mit vielen kontroversen, und häufig emotionalen Meinungen, schreibt mir gerne doch Eure Gedanken dazu per E-Mail oder in die Kommentare.

Ich wünsche mir, dass Ihr alle von dem Virus verschont bleibt. Und hoffen wir, dass es bald gute Lösungen gegen Corona geben wird.

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