Knochenmark-Spender – Wer ist besser geeignet: Geschwister oder Fremdspender?

In dem Moment, in dem der Arzt Dir sagt, dass Du Dich einer Knochenmarktransplantation unterziehen musst, stellst Du Dir sofort die Frage: Wer ist geeignet, mein Knochenmarkspender zu sein? Wer könnte mein Stammzellspender werden?

Infusion Knochenmarkspende

Knochenmarktransplantation – das kennt man doch nur von den anderen.

DKMS, Knochenmarkspende, Stammzellspende – dunkel erinnerst Du Dich an Spenderaufrufe, wie Du  sie in Zeitungen gelesen hast, oder im  Fernsehen oder Radio gehört hast.

Was jetzt – Du selbst bist betroffen? Nicht jemand anderes?

„Wer soll mein Spender sein?“

Auch ich stellte diese Frage, als mein Arzt mir vor einigen Jahren eröffnete, dass ich meine Blut-Erkrankung nur durch eine Transplantation wieder geheilt werden könnte. Ich hatte sofort im Kopf, dass nun nach einem fremden Spender gesucht werde müsste.

Die Antwort, die ich sofort bekam, war eine Frage. „Haben Sie Geschwister?“

Ich habe nicht gewusst, dass bei einem großen Teil der Knochenmarktransplantationen Geschwister Spender sind.

Mit einer Wahrscheinlichkeit von fast einem Drittel (26 %) kann ein Geschwisterteil als Knochenmarkspender fungieren

Bei mehreren Geschwistern steigt somit die Wahrscheinlichkeit, dass in der engsten Familie ein Spender gefunden wird.

Die Eignung eines Spenders wird durch Typisierung der HLA-Merkmale festgestellt.

Die Typisierung der Geschwister verläuft in der Regel schnell und problemlos – meine beiden Brüder wurden baldmöglichst in die Klinik einbestellt, wurden typisiert, und nach zwei Wochen war das Ergebnis da. Mein ältester Bruder passte!

Was passiert, wenn ein Fremdspender gesucht wird?

Dann wird die Suche über den behandelnden Arzt eingeleitet. Er erteilt einen Auftrag an das Zentrale Knochenmark Register Deutschland (ZKRD). Das ZKRD erstellt Listen mit potentiell identischen Spendern aus dem In- und Ausland, und verwaltet die Suche, bis, nach Rücksprache mit dem Arzt, der passendste Spender gefunden wird. Dieser wird über das ZKRD informiert und reserviert.

Ich habe meinen auch Arzt gefragt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, einen Fremdspender (nicht Bruder oder Schwester) zu finden, und war überrascht über die Antwort.

Die Erfolgsrate der Spendersuche ist heutzutage bei über 80 %.

Das Ergebnis ist für Patienten in dieser bedrängenden Situation durchaus beruhigend. In der Regel dauert die Suche bei 50 % der suchenden Patienten sogar nicht länger als 6 Wochen, nach insgesamt 3 Monaten wird für rund 75 % der Patienten ein Spender gefunden.

Konkret kann das heißen, dass ein Patient nach mehreren Wochen die Wahl hat zwischen zwei oder mehr Spendern. Die Patientin in der Klinik im Nebenzimmer erzählte mir kurz vor der Transplantation, sie hätte die Möglichkeit für Spenderzellen aus Zypern und aus Kanada.

Sie hat sich damals für den Knochenmarkspender aus Zypern entschieden.

Zwei Tage vor meiner eigenen Transplantation dachte ich viel über das Für und Wider Geschwister-Spende / Fremdspender nach. Mein Bruder, der zu 99 % zu mir passte, spendete seine Stammzellen über die Apharese, blieb einen Tag und eine Nacht bei mir in der Klinik und wir fühlten uns sehr miteinander verbunden.

Die Zellen für meine Nachbarin kamen pünktlich per Kurier in der Klinik an, sie wurde am gleichen Tag transplantiert wie ich, und verließ im selben Zeitraum die Klinik. Sie hat die Transplantation genauso gut überstanden wie ich.

Ich habe es sehr geschätzt, dass mein Bruder mit seinen Stammzellen mein Lebensretter war. Aber: obwohl er ausgesprochen gut in den Gewebemerkmalen zu mir passte, entwickelte ich nach der Transplantation eine heftige Abstoßungsreaktion, eine GvHD. Das hatte ich bei der Vorgeschichte nicht erwartet.

Fremdspender sind genauso gut geeignet wie Geschwister.

Recherchen und Nachfragen haben mir gezeigt, dass für Spender aus der eigenen Familie weniger drastische Auswahlkriterien gelten. Ein Spender aus der Familie kann so im Gegensatz zu einem Fremdspender eine andere Altersgruppe repräsentieren, eine viel ältere Person beispielsweise, als sie für die Fremdspender zugelassen ist.  Diese Kriterien können sich eventuell nach der Transplantation negativ auf das Ergebnis für den Empfänger auswirken.

Die vollständigen Kriterien, wer als Knochenmarkspender allgemein in Frage kommt, findet man auf der Seite der DKMS.

https://www.dkms.de/de/content/wer-darf-spender-werden

Niemand kann in die Zukunft schauen. Ich konnte es damals auch nicht. Wichtig bei all diesen Überlegungen ist jedoch –

  • Die Suche nach einem Spender ist nicht so aussichtslos, wie viele Patienten befürchten.
  • In einem Drittel aller Fälle können sogar Spender aus der Familie direkt und unbürokratisch schnell gefunden werden.
  • Fremdspender sind nicht schlechter geeignet als Geschwister.

Wie war das bei Dir, welche Erfahrungen hast Du gemacht? Hast Du einen genetischen Zwilling unter Deinen Geschwistern gefunden, oder gab es einen Fremdspender für Dich? Schreib´ doch Deine Erfahrung in die Kommentare unter diesem Blogbeitrag. Ich freue mich über jeden Eintrag und beantworte Deine Fragen dazu!

Am Ende wird alles gut werden, und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht am Ende.

Oscar Wilde, irischer Schriftsteller, 1854–1900

1 Kommentar zu „Knochenmark-Spender – Wer ist besser geeignet: Geschwister oder Fremdspender?“

  1. Pingback: Die Kurve gekriegt - Knochenmarktransplantation-light

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