Selbstfürsorge

Selbstfürsorge nach einer Krankheit – Meine Tipps für dich

Selbstfürsorge ist ein Begriff, der voll im Trend liegt. Klar, in Zeiten einer Pandemie, die uns jeden Tag vor neue Herausforderungen stellt. Selbstfürsorge ist für jeden wichtig, besonders aber für Menschen, die eine schwere Krankheit hinter sich haben. Warum das so ist, und wie das geht, Selbstfürsorge nach einer Krankheit, das habe ich diesem Artikel zusammengefasst. Ich freue mich, mit diesem Artikel Teil einer Blogparade von Anna Koschinski sein zu dürfen. Sie hat mich mit ihrem Aufruf zu diesem Thema zum Nachdenken und Reflektieren gebracht.

Warum ist Selbstfürsorge nach einer Krankheit besonders wichtig?

Seien wir mal ehrlich. Wenn du eine schwerwiegende Krankheit hinter dir hast und vielleicht noch an den Folgen der Therapie leidest, fühlst du dich oft wie in einer anderen Welt. Eine Krebsdiagnose beispielsweise hat oft zur Ursache, dass du durch eine Tür gehst und alle anderen Menschen, die dir lieb geworden sind, hinter dir lässt.

Tür
Nach einer Krankheit kommt es dir vor, als wärest du hinter einer Tür in einer anderen Welt

Warum ist das so? Sie alle führen ihr aktives, lebendiges Leben mit großartigen Reisen, beruflichen Erfolgen und sportlichen Höchstleistungen weiter. Du hingegen hast Sorgen. Du bist beeinträchtigt von deiner Therapie, von Nebenwirkungen deiner Medikamente oder Operationen und bist verzweifelt, dass dein Körper nicht mehr derselbe ist wie vorher. Bestimmt gibt es Momente, wo du dich nicht mehr dazugehörig und traurig fühlst. Besonders, wenn es Monate oder sogar Jahre dauert (so wie bei mir) bis du wieder gesund bist.

In diesen Zeiten ist es wichtig, dass du dich ganz auf dich konzentrierst. Selbstfürsorge bedeutet: „Ich denke an mich“. Und dieses in allen drei Bereichen deines Lebens- deiner Arbeit, deinem Privatleben und deinen Freunden und Bekannten gegenüber.

Selbstfürsorge bei der Arbeit

Als ich anderthalb Jahre nach meiner Knochenmarktransplantation wieder beginnen wollte, zu arbeiten, hatte ich einen Termin mit meiner Psycho-Onkologin. Sie rechnete mir vor, dass ich nicht mehr 100 % der Energie und Kraft hatte wie ursprünglich, sondern ungefähr nur noch 60 %. Mit diesem Energiepaket wollte ich neben Haushalt und Familie wieder in meinen Job wieder einsteigen und die gleichen Aufgaben erfüllen wie vorher. Das konnte nicht funktionieren!

Arbeiten nach einer Krankheit
Arbeiten nach einer Krankheit – genauso wie vorher?

Mich hat diese Rechnung sehr beeindruckt, denn ich wäre sonst in die Falle getappt, genauso weiterzumachen wie früher.

Daraufhin habe ich meine Situation genau analysiert und folgende Aspekte bezüglich meines Jobs herausgefunden:

Die Einstellung zur Arbeit:

Meinen dringenden Wunsch, wieder zu arbeiten, konnte ich auch nach meiner schweren Erkrankung nicht abstellen. Es war für mich das Tor zur Normalität.

Selbstfürsorge in Bezug auf deine Arbeit heißt, dass du für dich herausfindest, wie wichtig dir deine Arbeit ist. Gehst du arbeiten, weil du Geld verdienen musst? Hier können dir die sozialen Systeme in unseren Land, wie eine Erwerbsminderungsrente oder das Krankengeld für einen Zeitraum von mehreren Monaten helfen. Solange, bis du dich kräftiger, gesunder fühlst und dir deine Arbeit wieder wirklich zutraust.

Oder arbeitest du, weil du dich zu einem großen Teil durch deine Arbeit definierst und sie dir viel Anerkennung und Selbstverwirklichung bedeutet?

Solche Fragen können sehr verwirrend sein und deinen ganzen Lebensplan beeinflussen. Wenn du hier steckenbleibst, kann ich dir nur raten, dich beraten zu lassen, so wie ich mit meiner Psycho-Onkologin. Gute Gespräche bei einer professionellen Beratung oder einem Coach können dir ganz neue Wege für dein weiteres Berufsleben, auch nach einer schwerwiegenden Krankheit aufzeigen. Erst, wenn du deine tiefe, innere Einstellung zur Arbeit kennst, kannst du weitere Entscheidungen treffen, die vielleicht nach deiner Krankheit notwendig sind.

Die Rahmenbedingungen der Arbeit:


In meinem Falle habe ich die Rahmenbedingungen verändert. So habe ich einen Termin mit meiner Chefin gemacht und wir haben meine Arbeitszeiten an meine Kapazitäten angepasst. Ich reduzierte meine Arbeitszeit für ein Jahr von 20 auf 15 Stunden wöchentlich. Nach einem Jahr haben wir die Bedingungen in einem gemeinsamen Gespräch überprüft und erneut angepasst (die Stunden wieder erhöht). So war ich in der Lage, trotz beträchtlicher körperlicher Einschränkungen meinen Arbeitsplatz zu erhalten und sehr viel für mein Selbstbewusstsein und Wohlbefinden zu tun. Wie es letztendlich weiterging mit mir und meinem Job kannst du hier nachlesen.

Auch du kannst an den Schrauben deiner Arbeitsbedingungen drehen. Sei offen mit deinem Chef und deinen Kollegen. Ich bin sicher, sie alle schätzen dich in deiner Stärke und deinem Know how. Wenn die Firma nicht gerade in roten Zahlen ist, gibt es immer Möglichkeiten, dein Zeitkontingent oder deine Arbeitstage so zu legen, dass du nebenbei noch Zeit für Arzttermine, Physiotherapie oder Regeneration hast. Ziel ist es, dass du körperlich und seelisch in der Balance bist. Denn wenn es dir gut geht, profitiert dein Arbeitgeber auch davon, dass du bei deiner Arbeit zufrieden und effektiv bist.

Selbstfürsorge bei dir zuhause

Familie nach einer Krankheit
Deine Familie wird das Wichtigste für dich sein nach einer Krankheit

Bei meiner ersten Krebserkrankung fragte ich die Ärztin bei der Abschlussuntersuchung: „Was kann ich denn tun, damit der Krebs nicht wieder kommt?“
Sie sagte: „Sagen Sie öfter einmal Nein.“
Ich glaube, sie meinte, dass ich mehr auf mich achten sollte, und nicht auf das, was andere von mir wollten. Ein klassischer Aspekt von Selbstfürsorge, ein sehr wichtiger Schritt.
Aber: Ganz so einfach ist es mit dem Neinsagen leider nicht. Wir alle haben Verpflichtungen und Commitments, die wir in unserem Leben vor der Erkrankung eingegangen sind. Eine junge Mutter mit kleinen Kindern kann nach einem Krankenhausaufenthalt nicht zu ihrem Mann sagen: „Jetzt kümmerst du dich rund um die Uhr um die Kinder.“

Selbstfürsorge ist wichtig, ich möchte dennoch hier ein wenig auf die Bremse treten. Und ein Plädoyer halten für Kompromisse. Denn gerade im familiären Bereich hast du Menschen um dich, die wichtig für dich sind. Ein Ehepartner, der dir sicher gerne den Rücken freihält, wenn du aus dem Krankenhaus kommst. Und Kinder, deren Schäden in der Seele durch die Krankheit der Mutter erst sehr viel später erkannt werden – ich spreche aus eigener Erfahrung.

Ich glaube, dass man neben der Selbstfürsorge für sich und seinen angeschlagenen Körper die eigene feste Rolle in der Familie nicht vergessen darf. Das Gleichgewicht zwischen: „Ich muss jetzt an mich denken“ und „Ich bin jetzt wieder für euch da“ ist nicht einfach zu finden.

Mein Ansatz über mehrere Jahre war folgender: Ich war für meine Familie da so oft ich konnte, doch wenn mein Körper Ruhe brauchte, habe ich darum gebeten.

Der Schlüssel dazu ist Offenheit und Kommunikation.

Wenn du nach einer Krankheit nicht alle Wocheneinkäufe für die Familie machen kannst, sprich das offen an. Vielleicht kann dein Mann/Deine Frau mit einem der Kinder am Samstag einkaufen. Dafür kochst du anschließend ein schönes Mittagessen – gemeinsame Mahlzeiten geben Geborgenheit.

Wenn du den Haushalt wegen Schmerzen oder Übelkeit nach einer Chemotherapie nicht bewältigen kannst, sprich mit deinem Partner über die Möglichkeit einer Haushaltshilfe. Oder frage ihn, ob er nicht einmal das Badezimmer putzen mag. Aber: Vergiss nicht, ihm Anerkennung zu schenken. Kein berufstätiger Ehemann hält es über lange Zeit aus, zusätzlich zur Arbeit eine kranke Person zu pflegen und den ganzen Haushalt nebenbei zu bewältigen.

Vielleicht schüttelst du jetzt den Kopf über meine Vorschläge. Ich bin aber fest der Meinung, dass man zuhause zwar seine Bedürfnisse äußern soll und mit der Familie gemeinsam nach Lösungen suchen muss. Aber ich selbst habe gespürt, dass es mir auch ein bisschen gutgetan hat, wenn ich mich, aus Rücksicht auf meine kleine Tochter (von 4 Jahren) nach meiner Brustkrebs-Erkrankung nicht habe hängen gelassen. Und mir immer Zeit für sie genommen habe, wenn sie es brauchte.

Selbstfürsorge nach einer Krankheit bei deinen Freunden

Freundschaft nach einer Krankheit
Deine Freunde können dir nach einer schweren Krankheit sehr helfen

Meine Freunde waren mir immer sehr wichtig, auch vor meiner Krebserkrankung. Nach meiner Diagnose hatte ich keine Scheu, ihnen am Telefon zu erklären, warum ich diese Diagnose bekommen hatte und was mich in den nächsten Wochen und Monaten erwartete. So wussten sie, ob und wo sie mir helfen konnten. In den meisten Fällen war die beste Hilfe für mich, eine Freundin anrufen und mich bei ihr auszuquatschen.

Es sind zwei wichtige Aspekte der Selbstfürsorge, die ich dir hier im Umgang mit deinen Freunden mitgeben möchte:

Deine Einstellung zu deinen Freunden

Ich wusste, ich kann meine Therapie nicht ganz alleine durchstehen – ich brauchte Zuspruch, Interesse und Nähe von meinen Mitmenschen. Ich freute mich über jeden Anruf, jede Frage: „Wie geht es dir denn jetzt?“ Aus diesem Grund habe ich beschlossen, offen mit meiner Krankheit umzugehen. Ich habe es manchen damit leicht gemacht, weil sie keine Angst hatten, mich anzusprechen.
Das ist aber nicht bei jedem so. Es gibt Menschen, die machen ihre Erkrankung lieber mit sich alleine aus. Die möchten nicht darauf angesprochen werden, und versuchen so normal und gesund wie möglich zu wirken. Wenn du dazu gehörst, dann ist das völlig in Ordnung.

Aber vielleicht hast du auch eine oder zwei Freunde oder Freundinnen, denen du dich anvertraust und mit denen du immer sprechen kannst, wenn es dir schlecht geht. Solche Gespräche sind eine Form von Selbstfürsorge – denn sie tun dir gut!

Suche deine wirklichen Freunde aus!

Während meiner langen Zeit mit Krankheit habe ich viel über meine Freunde gelernt. Sie waren fast immer alle für mich da, wenn ich sie brauchte. Es gab aber auch Menschen, die mich Energie gekostet haben. Mit denen ich Zeit verbracht habe und anschließend feststellte, dass keine Nähe aufgekommen war. Kein Zwiegespräch, sondern nur Monologe über die Sorgen und Probleme meines Gegenüber.
Im Laufe der Zeit habe ich mich von diesen Freunden/ Freundinnen zurückgezogen. Weil es mir nicht gutgetan hat, mit ihnen Zeit zu verbringen. Übrig blieben dann die, die mir immer ein offenes Ohr schenken, und deren Freundschaft so von Jahr zu Jahr intensiver geworden ist.
Für mich eine wichtige Lernkurve, denn vor meiner Krankheit habe ich gedacht: Alle sind nett! Jeder, den ich kenne, kann ein Freund sein. Ein Irrtum – es muss nicht jeder sein.
Selbstfürsorge bedeutet für mich auszuwählen. Und zwar die Menschen, die mir gut tun.

Mein Fazit für dich

Es gibt für Menschen nach einer Krankheit noch weitere Aspekte der Selbstfürsorge: Zum Beispiel das Grenzen setzen, das Strukturieren des Alltags, das Finden von Ruhe-Inseln. Das sind alles Beispiele, die jeder am besten für sich selbst im richtigen Alltag herausfindet.

Mir ist es wichtig, dass du den Begriff Selbstfürsorge auf deine drei wichtigsten Bereiche des Lebens (dein Beruf, deine Familie und deine Freunde) anwendest und dir Gedanken dazu machst, was du für dich verbessern kannst. Denn nach einer schweren Krankheitszeit oder einer schweren, langen Therapie hast du dir das verdient. In allen Aspekten deines Lebens. Nach einer Krebstherapie wie der Knochenmarktransplantation sind diese drei Aspekte besonders wichtig in der ersten kritischen Zeit, ungefähr die ersten 6-12 Monate. Mehr Informationen dazu findest du hier.

Ich danke Anna Koschinski für diese wundervolle Idee der Blogparade. Auf ihrer Webseite findest viele weitere Artikel zu diesem Thema.

Vielleicht fragst du dich nun selbst:

Was bedeutet Selbstfürsorge für dich? Hast du dir schon einmal bewusst Gedanken zu diesem Thema gemacht?

Und wie gehst du mit der Selbstfürsorge um? Hast du schon einmal eine Krankheit gehabt und bist anschließend genau mit diesen Fragen in Konflikt gekommen? War es schon einmal schwierig für dich, deine Balance und deine Zeit im familiären Raum zu finden?
Dann schreibe mir doch in den Kommentaren, was dich da bewegt hat, oder schreibe mir eine E-Mail.

Ich freue mich drauf!

4 Kommentare zu „Selbstfürsorge nach einer Krankheit – Meine Tipps für dich“

  1. Pingback: Die kritische Zeit nach einer Knochenmarktransplantation - was musst du beachten?

  2. Pingback: Selbstfürsorge stärken - Zusammenfassung der Blogparade

  3. Liebe Annette,
    vielen Dank für deinen Beitrag zur Blogparade. Ja, ich stimme absolut zu, dass Selbstfürsorge nach einer Krankheit noch einmal wichtiger wird als sie so schon ist. Denn es nützt ja niemandem, wenn wir über unsere Grenzen gehen und dann nicht genesen oder uns selbst überfordern. Daher danke für deine wertvollen Gedanken und Tipps zum Thema. Ich glaube wie du, dass es nicht darum geht, sich komplett von allen Aufgaben zurückzuziehen, sondern genau auszuloten, was geht und was nicht. Das eigene Maß finden, die richtige Dosis. Gut, dass du so klare Worte dazu gefunden hast.

    Liebe Grüße
    Anna

    1. Liebe Anna, vielen Dank für deinen Kommentar. Das ist genau der wichtigste Punkt, den ich in dem Artikel herausstellen wollte: Wie so oft geht es um das gute Mittelmaß, besonders beim Thema „An mich selbst-denken“ nach einer Krankheit. Ich habe mich gefreut, im Rahmen deiner Blogparade mir diese ausführlichen Gedanken zu diesem Thema machen zu können.
      Liebe Grüße,
      Annette

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